Von H.-D. Kulhay

Erst reißen sich alle um dich. Aber wenn du dann unterschrieben hast, bist du für die nur noch Luft. Daß die dich brauchen, davon ist nichts mehr zu merken.“ Das sagt ein 28jähriger Diplomkaufmann über seine ersten Berufserfahrungen.

Und ein prominenter Personalberater weiß: „Wenn eine Firma eine neue Maschine bekommt, ist alles gut vorbereitet. Wenn sie in den Fabrikhof einrollt, machen sich der Technische Direktor samt Assistenz, Ingenieure und Meister frei. Ist sie dann glücklich auf ihren Platz gehievt, läßt man sie behutsam und sachte anlaufen. So vorausschauend, engagiert und einfühlsam wünschte ich mir den Empfang eines jeden neuen Mitarbeiters.“

Für den mit einem Diplom verzierten Berufsanfänger ist der erste Tag im Betrieb, im Arbeitsleben überhaupt, ein schicksalhafter Tag. Für ihn hängt einiges davon ab. Für den Vorgesetzten aber ist es der Monatserste, überschattet von Terminängsten, den täglichen Sorgen mit diesem und jenem. Ein Tag wie jeder andere also.

Und dann kommt der Neue. Das bedeutet: Zeitverlust, Unterbrechung der Routine, Beeinträchtigung gewohnter Abläufe. Rasch droht da der erste Tag für den akademischen Anfänger wie für seinen Vorgesetzten im Betrieb ein schwarzer Tag zu werden.

Vom Neuen verspricht sich der Vorgesetzte vor allem Entlastung; gleichzeitig aber fällt es ihm schwer, einen jüngeren und cleveren Mann neben sich zu dulden, gar zu fördern. Besonders, wenn der Vorgesetzte den Höhepunkt der eigenen Vitalität bereits überschritten hat. Personalberater Kroeber-Keneth: „Auch der alte Platzhirsch duldet keinen Nebenbuhler!“ Es gehört für den Vorgesetzten schon eine Portion Einfühlungsvermögen und Selbstüberwindung dazu, mit dem Jüngeren trotzdem zu kooperieren. Nicht jedem gelingt es.

Denn auch die jungen Akademiker lassen oft kaum eine Möglichkeit ungenutzt, schon in den ersten Tagen ihrer Anwesenheit andere gegen sich einzunehmen. Sie sind selbstherrlich, ungeduldig, arrogant und überheblich, zeigen unbändigen Tatendrang und unrealistische Erwartungshaltungen und disputieren mit Abscheu über den kontrastreichen Gegensatz von Theorie und Praxis. Treffen auch nur einige dieser Attribute bei einem Berufsneuling zusammen, türmen sich vor ihm schwere Hindernisse auf. Der Vorgesetzte beklagt mangelnde Einsatzbereitschaft und unterstellt Anpassungsängste; die Kollegen, vor allem die Nur-Praktiker, beklagen mangelnde Kooperationsbereitschaft.