Während am Rentenmarkt die Kurse in Erwartung weiterer Zinssenkungen zügig nach oben streben – Zehnprozenter werden bereits mit 107 Prozent bewertet –, ist der Aktienmarkt von einer spürbaren Unsicherheit befallen. Das Landtagswahlergebnis in Schleswig-Holstein schließt einen Regierungswechsel im Saarland nicht mehr aus. Wie an der Börse auf die dann veränderte Bundesratsmehrheit reagiert werden wird, ist nicht abzusehen. Ein zumindest vorübergehender Kursrutsch scheint möglich. Deshalb haben Berufshandel und auch institutionelle Anleger in letzter Zeit Kursgewinne sichergestellt, ohne daß es allerdings zu nennenswerten Kursabschwächungen kam. Das spricht für die gesunde Verfassung der Börse.

Für Gewinnrealisierungen spricht in den Augen mancher Investoren aber auch, daß bald von der Zinsseite her keine Anregungen mehr zu erwarten sein werden und dann die Anzeichen für eine konjunkturelle Wiederbelebung noch nicht ausreichen, um die Kurse am Aktienmarkt abzusichern. Es wird von dem „großen Loch“ gesprochen, das in den nächsten Wochen überbrückt werden muß. Daß gerade dann Milliardenbeträge an jungen Aktien plaziert werden müssen, vereinfacht die Situation nicht. Optimisten hoffen auf neue Ölgelder, obgleich sie heute eine viel geringere Rolle am deutschen Aktienmarkt zu spielen scheinen als vielfach angenommen wird.

K. W.