Zypern hat sich erholt: Man kann sich wieder auf Zypern erholen. Man hört schon wieder deutsche Stimmen, der Berliner „Zypern-Reisedienst“ kommt Ende Mai mit neuen Prospekten für Pauschalurlauber auf den Markt, und Touropa eruiert Hotelpreise.

Schneller als irgend jemand erwartet hatte, haben die griechischen Zyprioten wieder ihre Tourismus-Tore geöffnet. Vor acht Monaten haben die Türken ihnen 80 Prozent der Hotels und Urlaubsattraktionen weggenommen; der Flugplatz von Nikosia wurde beschossen und geschlossen. Es landeten auf Zypern nur Militärmaschinen: ein Touristen-Paradies war eliminiert.

Freilich, schon drei Monate nach dem Waffenstillstand begannen sowohl die türkischen Eroberer im Norden als auch die griechischen Zyprioten auf dem Restland an neuen Tourismusplänen zu arbeiten. Während die Türken sogar eine Cyprus Turk Tourism Management Company Ltd. gründeten, um die enteigneten Prachthotels in Famagusta und Kyrenia für westliche Touristen zuzubereiten, besannen sich die Zypern-Griechen, die ebenfalls wie die Türken einen Flugplatz (Larnaca) präparierten, ihrer bis dahin eher etwas vernachlässigten Südküste mit Paphos und Limassol sowie des von Kennern als schönsten Teil Zyperns empfohlenen Berglandes, des Troodos-Massivs.

Überhaupt haben die Zyprioten aus ihrer Not eine Tugend besonderer Art gemacht: Nachdem sie mit ihren Massenhotels den Massentourismus verloren hatten, entdeckten und erschlossen sie ein neues, bisher viel weniger bekanntes Zypern für die wirklichen Zypern-Fans. 1200 Betten stehen für Urlauber in Paphos und Limassol, im aphrodisischen Teil der Insel, wo die schaumgeborene Göttin der Liebe lockt, bereit. Und an den herrlichen Stränden in der Bucht der Aphrodite denken die langjährigen Meister im Touristikgeschäft an eine Bungalow-Feriensiedlung.

Den Tempel der Aphrodite findet man bei Kouklia, nahe der Stelle, wo die Göttin aus dem Meer gestiegen ist. Anderen historischen Sehenswürdigkeiten, Kiti, Kolossi und Curium, begegnet man auf dem Weg von Limassol nach Pathos, wo die in Fels geschnittenen Königsgräber zu bewundern sind. Von Paphos fährt man auch in die Berge zu alten Klöstern und Dörfern.

Freilich wird der Urlaub etwas teurer als früher. Der Zypern-Reisedienst, der ab Juni wieder Pauschalreisen anbietet, wird für eine zweiwöchige Reise mit Vollpension immerhin bis zu 1600 Mark kassieren müssen. Grund: Die Flugverbindungen sind nicht mehr so günstig wie vor dem Krieg. Zypern-Reisedienst will mit (DDR-)Interflug von Berlin-Schönefeld nach Beirut und von da (nach einer Übernachtung) mit Cyprus Airways auf die Insel. Valgedur Thorarensen, Sprecherin des – Zypern-Reisedienstes, hofft auf die Treue ihrer Stammkunden.

Mit eigenem Charter – Wenigstens bis Athen – und etwas, billiger wird die Münchner Touropa wieder nach Zypern reisen, „falls wir es überhaupt riskieren“ (Sprecher Heinz Göckeritz).