Bei der Degussa AG, Frankfurt/Main, ist der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr (es endet am 30. 9.) um etwa zwei Prozent zurückgegangen – der Mengenrückgang ist höher gewesen. Viele Kapazitäten sind zur Zeit ungenügend ausgelastet, so daß zu höheren Kosten produziert werden muß, während andererseits die Preise abzubröckeln beginnen. Diese Attacke von zwei Seiten – Kostenanstieg und Preisrückgang – hat zu einem Gewinnrückgang geführt. Ob er bis September noch aufzuholen ist, konnte der Vorstand den auf der Hauptversammlung versammelten Aktionären nicht sagen.

Es gehört Mut dazu, unter diesen Umständen von den Aktionären neues Kapital zu fordern. Es sollen junge Aktien im Nominalwert von 26 Millionen zum Ausgabepreis von 100 Mark plaziert werden. Der Vorstand begründet dies mit dem Hinweis, daß der Eigenkapitalanteil in der Bilanz in den letzten Jahren gesunken ist. Das paßt nicht in das Konzept einer soliden Finanzierungspolitik.

Die Degussa hat darauf verzichtet, ihren Aktionären die Kapitalerhöhung durch eine höhere Dividende als neun Mark je Aktie schmackhaft zu machen. Der Vorstand hat der Reservenstärkung den Vorrang gegeben. Der enttäuschende Verlauf der ersten Monate des neuen Geschäftsjahres dürfte bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Bis zum März ist die erhoffte Wende ausgeblieben. Deshalb können die Aktionäre bestenfalls noch ein „Normaljahr“ erwarten. Kein gutes, aber auch kein Katastrophenjahr, prognostizierte der Vorstand. Von den Zuwachsraten der letzten Jahre müsse auch die Degussa Abschied nehmen. Typisch für die Konjunktursituation mag folgender Verwaltungsausspruch sein: „Unser Optimismus hat nicht zugenommen, aber der Pessimismus etwas nachgelassen.“

K. W.