Weil ein Beamter des Landratsamtes von Ebersberg in Oberbayern, kraft seines Amtes mit einer amtlichen Meinung ausgestattet, bei einer Standortbesichtigung (und nach einem Blick auf das Kunstwerk, das dort aufgestellt werden sollte) mit Nachdruck und Entschiedenheit festgestellt hat, daß bei diesem Kunstwerk von Kunst keine Rede sein könne und seine Aufstellung den Tatbestand der Landschaftsverschandelung erfülle – weil dies also sich ereignet hat, steht Hannsjörg Voths „Feldzeichen“ auf einem Feld unweit von Ingelsberg, einem Dorf zwanzig Kilometer südöstlich von München, ohne überhaupt das Recht zu haben, dort zu stehen.

Daß es aufgestellt werden durfte, ist allein dem Umstand zu verdanken, daß das Landratsamt, Gnade vor Recht setzend, sich bereit erklärt hat, die Anwesenheit des „Feldzeichens“ in der oberbayerischen Landschaft wenigstens kurze Zeit zu „dulden“. Die Frist behördlicher Duldung endet Anfang Mai. Wenn es bis zu diesem für die „restlose Beseitigung“ vorgeschriebenen Zeitpunkt nicht gelingen sollte, eine Aufstellungsgenehmigung bis Januar nächsten Jahres zu erhalten (so lange und nicht länger wollte Voth sein „Feldzeichen“ stehen lassen), dann ist das Projekt Ingelsberg nicht in der vom Künstler gedachten Weise zu verwirklichen. Dann wäre es, umgekehrt, einer nachgeordneten Behörde gelungen, eines der hierzulande immer noch seltenen Landart-Vorhaben (und ein ambitioniertes dazu) scheitern zu lassen. Ein Vorhaben übrigens, dessen Vorbereitung dem Künstler einige Monate harter (Hand-)Arbeit abverlangt hat, in das außerdem keine einzige Subventionsmark investiert worden ist.

Hannsjörg Voth hat sein Projekt Ingelsberg folgendermaßen definiert:

I. Auf einer Anhöhe sollen vier 30 Meter hohe Bäume, mit weißen Leinentüchern und Seilen umwickelt und verschnürt, als Feldzeichen aufgerichtet werden. Die Bäume sollen 4,50 Meter voneinander entfernt im Quadrat stehen. Das Schlagen und Umwickeln der Bäume soll photographisch dokumentiert werden. Parallel werden Zeichnungen von der Umwicklung und den verschiedenen Stadien angefertigt.

II. Das Aufrichten der Bäume soll eine dreitägige Aktion mit etwa 40 bis 50 Leuten werden. Dies soll wiederum photographisch und filmisch festgehalten werden. (Anschließend Fest mit Musik.)

III. Die Bäume sollen ein Jahr stehen bleiben. Über diesen Zeitraum wird eine Dokumentation gemacht, in der die Veränderung der Umwicklungen, der Jahreszeiten, die Reaktion des Dorfes und der Leute festgehalten wird.

IV. Das Projekt Ingelsberg soll zum Schluß so dokumentiert werden, daß mit dem Material eine Ausstellung „Feldzeichen“ zusammengestellt werden kann.