• Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat nach dem Beschluß des VW-Vorstandes, den Personalbestand in Neckarsulm um vierzig Prozent abzubauen, erklärt, sie werde die Entscheidung so nicht hinnehmen. Soll damit eine autonome Unternehmensentscheidung in Frage gestellt werden?

Eberle: Nein, wir wollten nur zum Ausdruck bringen, daß wir davon ausgehen, daß Verhandlungen, die nach unserem Wissen noch liefen, weitergeführt werden. Auch nach dieser Entscheidung sollten Gespräche fortgesetzt werden, die dazu führen könnten, dem Betriebsbereich Neckarsulm doch noch zusätzliche Aufgaben zu übertragen.

  • Dennoch könnte man aus diesem Vorwurf eine Kritik an der Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik heraushören. Eberle: Das ist mit Sicherheit nicht der Fall.
  • Nachdem das Wort nun gesagt wurde – werden Sie sich von den Arbeitern bei Audi-NSU nicht die Frage gefallen lassen müssen, ob Sie unrealistische Hoffnungen geweckt haben?

Eberle: Solche Hoffnungen haben wir nicht geweckt, aber in den Verhandlungen von Anfang an darauf hingewirkt, daß Audi-NSU nicht geschlossen werden soll. Wir meinen, daß eine Sanierung einseitig zu Lasten von Neckarsulm den Erfordernissen einer auch für soziale Fragen aufgeschlossenen Unternehmenspolitik nicht ganz gerecht wird.

  • Trotzdem wurde Audi-NSU verhältnismäßig stärker belastet als das Volkswagenwerk. Welche Mittel hat das Land, die Amputation von Audi-NSU nicht in eine Krise der gesamten Region Neckarsulm münden zu lassen?

Eberle: Hier werden Land und Bund in die Pflicht genommen. Gemeinsam mit dem Bund müssen wir versuchen, die negativen Auswirkungen für die Region gering zu halten. Einen Rückschlag in diesem Ausmaß haben wir nicht erwartet.

  • An welche Maßnahmen denken Sie? Eberle: Es sollte möglich sein, den Raum Heilbronn-Neckarsulm in das Bundesfördergebiet aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Bund sollten die vorhandenen Betriebe ausgebaut und neue Unternehmen angesiedelt werden. Bund und Land sollten die dazu erforderlichen Mittel gemeinsam aufbringen. Außerdem bemühen wir uns, Partner für den VW-Konzern zu finden, damit die Werke Heilbronn oder Neuenstein übernommen werden können. Wir verhandeln mit anderen Betrieben, zum Beispiel im Raum Ulm, um mehrere hundert Arbeitsplätze anbieten zu können.