Von Marietta Riederer

Die neuen Farben sind trist: Grau führt, Blau kommt als Wintermarine, Taube und Traube. Braun als Torf und Kamel, Grün als Olive und Farn. Etwas Honiggelb und Curry, Granatrot und Ziegelrosa. Schluß. Bleiben noch Weiß und Schwarz – viel Schwarz.

Mantel ist wieder in, in Trench- und Dufflecoat-Variationen. Mit dem Mantel aber beginnen die Garderobensorgen. Nur lange Mäntel decken die neuen Röcke, die kürzesten reichen bis zehn Zentimeter unter das Knie. Das ist das Ende der hohen Stiefelmode. Dafür kommt ein Winter der farbigen Strumpfhosen, die zum Anzug passen, mit den „Halbschuhen“ von einst. Kennzeichen: gediegener Absatz. Auch die Hose feiert ein Comeback; sie ist schmal geschnitten. Neu ist die lange Überfallhose, die oberhalb des Knöchels geschoppt und zu Stiefeletten mit breiten, gekreuzten Lederbändern getragen wird.

Ein völlig neues „Drunter und Drüber“ ändert die Proportionen. Sie erinnern verdächtig an den „Trümmerfrauen-Look“: Kleid über Norwegerlose, warme Strickjacke, Cape darüber, und der Kopf mit Strickschlauch gut eingemummt. Vielschichtiges hält warm – und vielschichtig muß es sein, da die Stoffe Leichtgewicht haben wie Flanelle, Mohairs, Angora- und Seiden-Jersey, Wolletamine, Kaschmir und Popeline. Daneben regiert noch immer der Loden.

Karl Lagerfelds Kollektion für Chloe zeigt weder Knöpfe, Futter, Säume und kaum mehr eine Naht. Jetzt versteht er es, Ärmelnähte sozusagen „einzuleimen“. Was früher Balenciaga schon mit Hand versuchte, kann Lagerfeld inzwischen maschinell herstellen. Seine Linie nennt er „Tunnel“ – man spricht nicht mehr von der „Tube“. Es ist eine schlanke, sehr lange Tunika, die nur ein kurzes Stück Rock vorsehen läßt, das zu einem „Unterkleid“ gehört, aber Kragen und Manschetten zeigt. Darüber ein Overcoat, oft nur in Dreiviertellänge aus leichter Wolle, und ein großes Umschlagtuch – was alles in allem eine Vierstufigkeit ergibt. Die Tunika bestimmt die Kollektion. Ein typischer Lagerfeld-Gag: „Do-ityourself-Wickelkleider“.

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„Mode verwelkt – Stil bleibt“ heißt das Leitmotiv von Saint Laurents Kollektion. Resultat: Sicher durch den nächsten Winter. Wie? Im grauen, gelackten Regenmantel, fest in der Taille zugebunden, mit Schottenwolle gefüttert. Darunter die neue Rippenstrickjacke zur Schleifenbluse aus Seide. Fehlt noch der Samtrock, der schmal, aber doch so bequem ist, um große Schritte darin zu tun. Das Ganze in drei verschiedenen Grautönen. Statt Mantel ein Umhang, genau wie der „Wetterfleck“ bayerischer Jäger, in Lodengrün oder Marineblau, über einem weichen Mohairkleid mit Durchzugsgürtel und auf Taille zu binden. Am Abend in Schwarz, ein Kleid mit Goldledergürtel und goldenen Lederträgern, auf dem nackten Rücken gekreuzt. Dazu ein großes Umschlagtuch, mit Lurexstreifen durchwebt. Und für den großen Abend eine golnene gesteppte Jacke, die zu Hosen wie zu Kleidern paßt. Saint Laurent bringt wieder Glamour.