Ich bin auch der Meinung, daß entführte Politiker sich nicht austauschen lassen sollten, nur so wird die Entführung als politisches Druckmittel wertlos. Ich sehe auch keinen anderen Weg, der verhindern könnte, daß schließlich auch Baader und Meinhof gezwungenermaßen freigelassen werden. Allerdings müssen wir uns davor hüten, solche Entführer und Erpresser zu Menschen zweiter Klasse, zu Bestien abzustempeln. Auch blinde Fanatiker und kühl berechnende Mörder sind Menschen.

Elisabeth Imhorst, 19 Jahre

Märtyrertum verspricht nur Minderheiten Erfolg, zum Beispiel Terroristen, aber nicht einer Demokratie. Sie legt sich dann selbst bloß in ihrer unnötigen Ratlosigkeit in der Wahl der Mittel. Denn es gibt nur eine Lösung: Nach demokratischen Grundsätzen handeln und dem Menschenleben absoluten Vorrang einräumen. Das Leben ist und muß das höchste Gut bleiben.

Oder sollen wir zurückfallen in eine Zeit der Lynchjustiz, die diese Verfügung durch Schüren von Haß und Hysterie unmittelbar heraufbeschwört? Man muß die Zeit der Hexenverbrennungen und Standgerichte endgültig verdammen, anstatt sie erneut zu fordern. Auf Humanität kann keine Demokratie verzichten.

Hans-Georg Wicke, 17 Jahre

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Irgendwo in Deutschland wird ein Politiker zwecks Entführung von einer Gruppe von Terroristen überfallen. Was macht der Politiker? Er zieht freudestrahlend seine von ihm unterschriebene letzte Verfügung aus der Tasche, und die Terroristen lassen ihn unbehelligt, weil er ja zur Erpressung ungeeignet ist. Daraufhin unterschreiben natürlich alle 60 Millionen Bundesbürger – Eltern unterzeichnen für ihre minderjährigen Kinder – flugs ebenfalls eine solche Erklärung. Hurra, der Terrorismus ist tot! – oder der Entführte, der geglaubt hat, mit einer solchen Verfügung das Problem der Geiselnahme und Erpressung lösen zu können.