Eine französisch-russische Hochzeit in Moskau

Von Catherine Krahmer

Wir waren also die „Hochzeitsgruppe“ innerhalb unserer Gruppe – siebzehn Mitglieder von etwa fünfzig –, die wiederum nur eine der fünf Gruppen ausmachte, die auf dem Flugplatz Charles de Gaulle die große viermotorige Iljuschin bis auf den letzten Platz füllten. Alle wollten wir eine Woche in Moskau verbringen: für uns die Osterwoche, für die Russen die Woche der Schulferien, des Frühlingsanfangs.

„Unsere Kinder sind faul; sie haben immer wieder Ferien“, meinte in Moskau unsere russische Führerin, für die Ostern kein rechter Begriff war. Sie sprach, wie alle unsere russischen Begleiter, ausgezeichnet Französisch, ohne je in Frankreich gewesen zu sein, und war perfekt auf aktuelle Fragen vorbereitet. Aber über das Datum des Osterfestes der Orthodoxen konnte sie keine Auskunft geben.

Daß wir die interessanteste Gruppe waren, versteht sich: Nicht jeden Tag treten ein katalanischer Vater und eine südfranzösische Mutter an, begleitet von dunkelhaarigen Geschwistern und Vettern, lärmenden Neffen, Freunden, einer Friseuse und einer Näherin, um die einzige Tochter, die in Moskau lebende Dolores, mit einem russischen Ingenieur, Victor, zu verheiraten.

Jeder war mit Paketen beladen – dem Hochzeitskleid, einem samtenen Anzug für den Bräutigam, einem Karton voller „Millefeuilles“, jener schwer zu transportierenden, französischen Blätterteigspezialität mit Schichten von Vanillecreme, die sich Victor als etwas besonders Leckeres vorstellte.

Schließlich die Begrüßung auf dem Moskauer Flugplatz: Der blonde, ein wenig eingeschüchterte Victor konnte zweierlei auf französisch sagen: „Bonjour“ und „Je travaille à l’usine.“ Dolores, strahlend, im Minirock – das ist zur Zeit die Mode in Moskau –, wurde von ihrer stürmischen Familie regelrecht mit Küssen und Umarmungen und Jubelschreien überfallen.