Hörenswert

The Sands Family: „The Winds Are Singing Freedom“. Das ist eine nur in Irland und von Iren denkbare Platte. Sie enthält Kampflieder aus Gegenwart und (immer noch gegenwärtiger) Geschichte, deren Poesie und Musik nicht zu ästhetischem Weihrauch verdunsten. Es singen und spielen die Sands, eine nordirische Familie und offensichtlich katholisch, also antibritisch – das muß man hier betonen. Der Kommentar gibt alle Texte zweisprachig wieder; die Aufnahme ist leider technisch nicht ganz vollkommen. (Pläne Verlag S 16 F 600, Serie Folk 6, 22,– DM)

Sissies: „Wir sind ja heut so glücklich“. Sie hören sich wirklich ein bißchen irre an, die „irren Schwestern“ aus Amsterdam. Wie nervöse Gänse flattern sie schnatternd durch das Schlagerrepertoire einer inzwischen etwas verschossenen Zeit: „O Donna Clara“, „Nur nicht aus Liebe weinen“, „Bei ami“, „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ und dergleichen. Schön klingt das natürlich nicht, aber komisch in der Parodie. Ein Spaß? Aber ja. (United Artists UAS 29 7671, 22,– DM) Manfred Sack

Mittelmäßig

Jeff Beck: „Blow By Blow“. Daß Jeff Beck eiher der technisch kompetentesten Rock-Gitarristen ist, ahnt man auch bei diesem Album. Aber er braucht offensichtlich eine Gruppe, in deren Rahmen er sich gezwungenermaßen auf die Song-Form konzentrieren muß, anstatt wie hier schier endlose solistische Fingerübungen zu produzieren. Die meisten dieser neuen Instrumentalnummern klingen so, als hätte ein begabter Nachahmer von John McLaughlin in kürzester Zeit Titelvorspann-Musik für TV-Krimis einspielen müssen, um ambitioniertere Projekte finanzieren zu können. Andererseits: eine annehmbare Platte, mit der man die technische Qualität der eigenen HiFi-Anlage überprüfen kann. (Epic EPC 69 117, 18,– DM) Franz Schüler

Ärgerlich

Richard Strauss: „Cello-Sonate F-dur“ / Ludwig van Beethoven: „Variationen“. Daß Richard Strauss nicht gleich die „Elektra“ oder den „Rosenkavalier“ komponierte, sondern zuvor in Jugendjahren ziemlich unbekümmert Sonaten und Klavierstücke, Konzerte und Sinfonisches voll von Gefühls- und Formunsicherheiten zu Papier brachte, versteht sich eigentlich als notwendig. Weniger notwendig ist hingegen, diese – nun ja – Jugendsünden mit neuem Aufwand groß zu machen, sie mit neuem Anspruch zu versehen. Mit Gewißheit nicht notwendig ist das so lieblose Dahinwerfen, der nicht einmal schöne Ton, die geringe emotionale Intensität, mit der Mstislaw Rostropowitsch, die eintönige Undifferenziertheit, mit der die Pianistin Wasso Dewetzi die Sonate des zwanzigjährigen Strauss absolvieren. (Electrola 065-02560 begin_of_the_skype_highlighting FREE 065-02560end_of_the_skype_highlighting, 25,– DM)

Heinz Josef Herbort