Von Wolfram Siebeck

Fast ein Drittel des Jahres 1975, das Jahr der Frau, ist schon vorbei, und wir leben noch. Zwar war die Eröffnung der Feindseligkeiten durch die Feministinnen überraschend harmlos, aber deren Harmlosigkeit war nur List. Daß wir in der Falle sitzen, erkannten wir spätestens am 17. April, als Sophia Loren auf den Titelseiten der Boulevardpresse die Maske fallen ließ: „Scheidung, Trennung – alles Unsinn

Da nützte es nichts, daß man gewarnt war durch den Busen der Caroline von Monaco, den diese auf das fünfzehnte Titelbild des „stern“ gezwängt hatte, oder durch die Schuhgröße („43“) der Jacqueline Onassis in anderen Illustrierten. 900 m über dem Meeresspiegel sang Hildegard Knef vor den Kameras des deutschen Fernsehens und gab damit das Zeichen zum Angriff. Denn, daß sie es auf die totale Vernichtung der Männer abgesehen haben, wird deutlich an dem Handbuch der Bett-Guerillas, das eine unter dem Kriegsnamen Lynn Barber schreibende Frau verfaßt hat. Als Aufklärungslektüre getarnt, werden dort detaillierte Anweisungen gegeben, wie wir Männer kleinzukriegen sind. Gottlob ist die „Münchner Abendzeitung“ in den Besitz des Textes gekommen und veröffentlicht ihn in täglichen Folgen. Wer bisher nicht wußte, was ihm blüht, wird hier erbarmungslos aufgeklärt.

So liest man dort folgendes: „Wenn der Partner das Bedürfnis hat, eine Weile herumzuliegen, fangen Sie an, mit Ihren Fingern auf seinem Körper herumzuwandern

Diese alarmierende Anweisung mündet zwei Sätze weiter in dem Rat, sich beim Herumwandern auf die Knöchel des Mannes zu konzentrieren. Es ist an Heimtücke wohl nicht zu überbieten, wenn er dann auch noch mit folgender Frage gefoltert wird: „Meinst du, meine linke Brust ist größer als die rechte?“ Die Verwirrung, die ihn befällt, weil sie normalerweise rechts und links verwechselt und er nicht sicher ist, ob sie ‚links‘ meint, wenn sie ‚links‘ sagt, diese Verwirrung nutzt sie natürlich aus und treibt ihn weiter in die Ecke: „Was gefällt dir eigentlich am besten an meinem Körper?“ Eigentlich wollte er nur eine Weile herumliegen und nicht auf Fragen antworten, die er nicht beantworten kann, weil er sie erst vor einer Stunde in einem langen Schlabberkleid kennengelernt hat, unter dem er alles mögliche vermutet hatte, aber nicht zwei verschieden große Brüste. Während er also überlegt, wie er hier wieder herauskommt, und während sie ihm, auf den Knöcheln herumwandernd, perfide Fragen stellt, murmelt er höflich etwas von: „Rechts tatsächlich ein wenig kleiner ...“

Das war ein Fehler. Denn nun kann sie die nächste Salve von Fragen aus ihrem Handbuch abfeuern. Dort steht: „Fragen Sie ihn, ob er es lieber hätte, wenn Ihre Brüste kleiner oder größer, Ihre Oberschenkel dünner oder dicker, Ihre Hüften breiter oder schmaler wären.“

Damit hat sie ihn. Denn was immer er auch antwortet, es wird ihm als Geständnis ausgelegt. Also schließt der Mann, der nur das Bedürfnis hatte, eine Weile herumzuliegen, die Augen und zählt an den auf ihm herumwandernden Fingern ab, wieviel Tage es noch zu überstehen gilt in diesem Jahr der Frau. Wenn er sie übersteht...