Als alles vorüber war, als er an der Truppenanmeldestelle vergebens nach überlebenden Kameraden aus seiner Einheit suchte, brach der seit langem aufgestaute Zorn Hauptmann Mackays auf: "Langsam fing ich an, einen Fürchterlichen Haß zu empfinden, einen Haß im die Leute, die uns dies eingebrockt hatten, einen Haß auf das Militär wegen seiner unverantwortlichen Stümperei, und ich dachte: was für ein Verbrechen, eine so gute Division einfach vor die Hunde gehen zu lassen. Und wofür eigentlich?"

Wofür eigentlich? Tausende, Hunderttausende Son Soldaten haben diese Frage gestellt, solange es Kriege gibt. Sie ist fast nie beantwortet worden, und wenn, dann meistens mit einem Schwulst von Phrasen, Lügen, falschen Idealen. Ein "Wofür" zu ergründen, den Sinn nur einer von vielen Schlachten zu suchen, ist die Aufgabe, die sich Cornelius Ryan in seinem Buch:

"Die Brücke von Arnheim"; S. Fischer Verlag, Frankfurt 1975; 427 S., 39,80 DM

gestellt hat. Der Autor, der mit "Der längste Tag", der Schilderung der alliierten Invasion in der Normandie, weltweites Aufsehen erregte, wollte seinen Erfolg wiederholen – diesmal mit der Schilderung des Dramas vom größten Luftlandeunternehmen im Zweiten Weltkrieg.

Der Versuch war von vornherein zum Scheitern verurteilt: "D-Day", der Tag, an dem die Heerscharen der Alliierten den Kanal überquerten, war Kriegsgeschichte, eine einzigartige Aktion, ein Wendepunkt im Weltkrieg. Die Schlacht um die Rheinbrücke von Arnheim war schon im Ansatz ein diffuses Unternehmen, voller Widersprüche und zum Teil getragen von unverantwortlichem Ehrgeiz. Getreu der Tradition des investierenden angelsächsischen Journalismus hat Ryan, unterstützt von einem Team ausgezeichneter Mitarbeiter, die Fakten der Vorgeschichte zusammengetragen und das Entstehen der Operation "Market-Garden" von seinen ersten Anfängen her zu rekonstruieren versucht.

Der Autor kommt dabei zu dem Schluß, daß neben den unterschiedlichen strategischen Plänen vor allem ein Motiv zur Schlacht um den Rheinübergang führte: die Rivalität zwischen dem amerikanischen Panzergeneral Patton und dem britischen Feldmarschall Montgomery. Patton war im Sommer 1944 dabei, einen Panzerkeil über Metz und das Saargebiet bis in das Herz Deutschlands zu treiben. Montgomery wollte mit seinen Armeen weiter nördlich ins Ruhrgebiet und dann bis nach Berlin vorstoßen. Der Wettlauf der beiden Heerführer um den entscheidenden Sieg und damit um unvergänglichen Ruhm litt nur unter einem Handikap: Die Alliierten verfügten nicht über genügend Nachschub, um Pattons und Montgomerys Absichten gleichzeitig zu unterstützen. Einer der beiden Heerführer mußte zurückstecken. Aber welcher?

Ryan registriert ausführlich die zahlreichen, teilweise rüden Versuche Montgomerys, vom alliierten Oberbefehlshaber Eisenhower grünes Licht für seine Operationen zu erhalten. Der Brite war so dickköpfig und schlug einen solchen Ton an, daß Eisenhower bei einer Unterredung schließlich konterte: "Immer langsam, Monty, so können Sie nicht mit mir reden, ich bin schließlich Ihr Boß." Ike blieb hart, bestand auf seiner Strategie, in breiter Front nach Deutschland einzudringen, gestattete aber schließlich das Unternehmen "Market-Garden". Für Eisenhower bot die Operation eine gute Gelegenheit zum Einsatz der bis dahin unterbeschäftigten Luftlandetruppen, Montgomery sah in der Aktion eine Chance, doch noch seinen Blitzmarsch nach Deutschland antreten zu können.