Was deutsch ist, so sagen sich manchmal Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder, das soll auch deutsch bleiben. Deshalb findet die Linde AG in Wiesbaden, die sich schon vor zwei Jahren eine Stimmrechtsbegrenzung auf fünf Prozent ihres Grundkapitals oktroyierte, immer mehr Nachahmer: Mannesmann beschränkte vor einem Monat das Höchststimmrecht auf ebenfalls fünf Prozent. Die Deutsche Bank empfiehlt inzwischen ihren Eigentümern den gleichen Satz. Die BASF rät ihrer Hauptversammlung zu noch drastischerer Einschränkung; die Konkurrenten Bayer und Hoechst werden sicher bald folgen.

Gebannt von dem Reizwort „Überfremdungsgefahr“ und beeindruckt von nahöstlichen Engagements bei Krupp, Daimler-Benz und der Deutschen Babcock machen die Aktionäre der großen Publikumsgesellschaften gegen solche Entmachtung kaum Front. So können sich Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder freuen: Schah und Scheichs sind fürs erste ausgesperrt. Und auch kein inländischer Aktienaufkäufer wird nun vorerst so leicht das bei Publikumsgesellschaften übliche Ungleichgewicht der Macht zwischen Management und einflußlosen – weil vielen – Aktionären mehr stören können.

Ob dies freilich auf Dauer auch für die Aktie gut ist, bleibt mehr als zweifelhaft. Zwar ist die Stimmrechtsbeschränkung durchaus legitim und zweifelsfrei auch eine demokratische einwandfreie Aktion. Aber da sie kaum zur Abwehr eines entschlossenen Aufkäufers taugt, und die Gefahr eines „Ausverkaufs der deutschen Wirtschaft“ bisher eine Schimäre blieb, ist sie ein bedenklicher, weil systemfremder Schritt: ein unnötiger Eingriff in das Eigentum des Aktionärs. Allein die Dresdner Bank hat bisher öffentlich einer Stimmrechtsbeschränkung abgeschworen. „Die Überfremdung“, so glaubt ihr Chef Jürgen Ponto zu Recht, „ist eine vorüberziehende Fata Morgana.“ Über die Gelassenheit der Bank sollte bei den anderen Publikumsgesellschaften nachgedacht werden. xs.