Die Kölner Schokoladenfabrik will mit Hilfe von Zahnärzten ein neues Werk bauen

Hans Imhoff, der sich gern den kleinen Dicken von der Mosel nennt, sorgt sich um seinen Ruf: Der Mehrheitsaktionär bei der Kölner Stollwerk AG fürchtet, in der Branche für „meschugge“ gehalten zu werden, weil er ausgerechnet jetzt eine neue Schokoladen- und Pralinenfabrik baut.

Doch der pfiffige Schokoladenfabrikant aus dem Moselstädtchen Bullay zahlt für die neue Fabrik in Köln-Porz wohl keinen Pfennig in bar. Denn mit der Verwertung des Fabrik- und Verwaltungsgeländes im Kölner Severinsviertel, das die Stollwerck AG mit dem Umzug in den geplanten Produktionsbetrieb in Porz frei macht, bekommt er genug „Kasse“, um sein bescheidenes Schärflein zur Finanzierung des Neubaus beitragen zu können.

Denn bei dieser Finanzierung – die aus dem Lehrbuch stammen könnte – haben Imhoff und seine juristischen Berater keinen Trick ausgelassen. Das Meisterstück gelang ihnen dabei wohl mit der Versilberung der Grundstücke im Severinsviertel vor Aufgabe des Betriebes. Hilfreich zur Hand ging dabei die Firma Kasper Bader, einst Tochter von Stollwerck und nun ausgegliedert. Über Feinheiten freilich schweigt sich Hans Imhoff aus.

Über Kasper Bader jedenfalls ist schon. 1974 soviel Geld in die Stollwerck-Kasse geflossen, daß nicht nur der Verlustvortrag von 8,4 Millionen Mark getilgt werden konnte, sondern auch noch etwas übrig blieb. Für Imhoff war das wohl Anlaß genug, nun voll auf das wieder flotte Stollwerck-Schiff aufzuspringen. Aus einer Beteiligung von 2,9 Prozent wurde die Mehrheit – das Geld beschaffte er sich durch den Verkauf seiner Fabrik in Bullay an die Stollwerck AG.

Bei der Finanzierung des Neubaus in Köln-Porz beteiligte Imhoff Leute, die ohnehin vom Süßwarenmarkt profitieren: Eine Abschreibungsgesellschaft, die Westdeutsche Immobilienfonds Treuhand AG (WITAG), Köln, sorgt für Bargeld – Zahnärzte werden dabei mit von der Partie sein. Und damit sich das Geschäft für die WITAG lohnt, denkt Imhoff gleich auch an ein befreundetes Unternehmen.

Die Investitionsprobleme der Berliner Schokoladenfabrik Hildebrand GmbH, deren gesamte Produktion von Stollwerck übernommen und vertrieben wird, löst Imhoff mit. Der WITAG-Fonds 27 hat Geld für beide. Billiges Geld im übrigen, weil die garantierte Mindestverzinsung nur zwei Prozent beträgt. Das restliche Geld holen sich die Zahnärzte vom Finanzamt und von den Schokolade essenden Leckermäulchen.