Nennen wir ihn Giulio: etwa 40 Jahr alt, klein und schmächtig, ein Kopf mit scharf geschnittenem Profil und graumelierten Haaren. Im schwarzen Kittel steht er an seinem Arbeitsplatz in der nüchtern-modernen Fabrikhalle von Scarmagno, einem kleinen Nest in Norditalien am Fuß der Alpen; wenn er wollte, könnte er sich auch auf den Stuhl setzen, eine hochbeinige Sonderkonstruktion, die er beiseite geschoben hat.

Giulio montiert bei Olivetti elektronische Rechenmaschinen. Auf eine Grundplatte schraubt er die Recheneinheit, den Drucker, die Tastatur und einige Einzelteile, verbindet die Baugruppen untereinander mit Kabeln, setzt das Gehäuse auf und spannt den Papierstreifen ein.

Giulio arbeitet ruhig mit gemessenen Bewegungen; keine Hetze. Für die Montage eines Rechners braucht er etwa fünfzehn Minuten. Mit einer konsequent ergonomischen Organisation des Arbeitsplatzes könnte man noch etwas Zeit gewinnen. Doch so bietet der Arbeitsplatz noch einen Anflug von Individualität, ein Refugium gegen das Gefühl, anonym in der Masse der Arbeiter unterzugehen.

Für seine Arbeit hat Giulio 22 Minuten Zeit. Doch muß er in dieser Zeit den Rechner nicht nur montieren, er muß ihn auch prüfen und Fehler beseitigen, wenn welche auftreten. Es gibt keine weitere Kontrolle mehr; im Namen von Olivetti übernimmt Giulio dem Kunden gegenüber die Garantie für das Funktionieren des Geräts.

Und Giulio wiederum muß sich darauf verlassen, daß die ihm zugelieferten Baugruppen von den anderen Arbeitern seiner Gruppe ebenso sorgfältig montiert und kontrolliert worden sind, wie es bei ihm vorausgesetzt wird.

Für den leitenden Ingenieur sind diese Selbstkontrolle und die Übertragung der Verantwortung der wichtigste Punkt in der neuen Arbeitsorganisation. Und er befindet sich damit in Übereinstimmung mit der Motivationstheorie des amerikanischen Arbeitswissenschaftlers Frederick Herzberg. Dieser hatte durch Umfragen herausgefunden, daß die Leistung steigt, wenn der Arbeiter die Möglichkeit hat, seine Arbeit in eigener Verantwortung zu tun und gleichzeitig guten sozialen Kontakt innerhalb einer überschaubaren Gruppe hat.

„Der Grundsatz ist“, erläutert der leitende Ingenieur, „jeder kontrolliert, was er produziert; und jeder repariert, was er kontrolliert.“ Auf diese Weise wurden nicht nur die Kontrollabteilungen eingespart; das Ergebnis dieser Methode, jedem Arbeiter selbst die Verantwortung für seine Arbeit zu übertragen, überraschte vielmehr auch die Verantwortlichen: Heute wird nicht einmal halb soviel Ausschuß produziert wie früher. Und immerhin galten fünf Prozent noch als normal.