Gscheidle: Unser Ziel ist, bis 1979 rund 48 000 Arbeitsplätze (von jetzt 480 000) einzusparen. Wie dies auf die Kostensituation des Unternehmens durchschlagen würde, brauche ich wohl nicht besonders zu erläutern.

ZEIT: Ist das realistisch oder müssen Sie nicht an dem rationalisierungsfeindlichen Beamtendienstrecht scheitern?

Gscheidle: Natürlich ist es eine internationale Erfahrung, daß man vernünftigerweise nicht gegen das Personal rationalisieren kann. Wenn ein Mitarbeiter befürchten muß, „wegrationalisiert“ zu werden, ergibt sich eine negative Motivation. Dies würde zu einem Leistungsabfall führen, der in aller Regel größer als der beabsichtigte Rationalisierungserfolg wäre. Wir haben deshalb in Abstimmung mit den Gewerkschaften eine Rationalisierungsverordnung geschaffen. Sie baut auf dem Prinzip auf, daß der betroffene Mitarbeiter dadurch in seiner beruflichen Entwicklung im allgemeinen nicht benachteiligt wird.

ZEIT: Kann man mit dem geltenden Dienstrecht eigentlich so große Unternehmen wie Bahn und Post führen?

Gscheidle: Das Dienstrecht, ist in der Tat nicht für öffentliche Verkehrsbetriebe entwickelt worden, sondern für staatliche Verwaltungen, Organe und Institutionen. Insofern gibt es eine Reihe betriebsfremder Bindungen. Wir benötigen aber dringend den Abbau aller rationalisierungshemmenden Vorschriften. In dieser Hinsicht habe ich allerdings keine allzu kühnen Erwartungen. Das braucht wegen der unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten viel Zeit.

ZEIT: Wenn Sie alle Vollmachten hätten, die Post nach rein wirtschaftlichen Prinzipien zu führen, was würden Sie tun?

ZEIT: Ist es für einen Mann allein nicht eigentlich zuviel, zwei so große Unternehmen wie Post und Bahn, die noch dazu beide in der Krise stecken, zu leiten?