Am 20. April wurde ein großer Verleger 75 Jahre. John Jahr hat als Redakteur begonnen – 1920 bei den feinen „Hamburger Nachrichten“. Er blieb beim Sport, auch als er sich mit der wöchentlichen „Sport Chronik“ selbständig machte. Seine geschäftliche Begabung bewies er mit einem Coup: Er erwarb exklusiv die Bildauswertung für die Olympischen Spiele in Amsterdam 1928. Sein Hang zum Abenteuer machte ihn zum Partner von Münzenberg, damals Vorsitzender der KPD-Fraktion im Reichstag: als Anzeigengeneralvertreter der „Arbeiter Illustrierten“ und „Welt der Frau“.

Das nahmen die Nazis ihm übel: Er verschwand 1935 aus Hamburg, erwischte den Verkauf eines Kalenders für die Olympischen Spiele 1936, gründete – was denn? – eine Versandbuchhandlung, eine Werbeagentur, einen Buchverlag. Seine exzellente Zeitschrift „Die junge Dame“ erlag 1944 den Kriegswirren.

1947 tauchte John Jahr als Partner Axel Springers auf: Beide wurden „Lizenzträger“ der „Constanze“. Die war für die Nachkriegsgeneration so typisch, daß der Bischof von Münster sie eine „Sumpfblüte“ nannte. „Brigitte“, „Schöner Wohnen“ und „Capital“ hat er entwickelt. Am „Spiegel“ war er so lange beteiligt, wie er den Ärger mit Rudolf Augstein ertragen konnte. Jetzt hat er seine großen Blätter bei Gruner + Jahr untergebracht; da besitzt er 25,1 Prozent und ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.

Immer noch arbeitet John Jahr: jetzt an Fachzeitschriften (Golf, Jäger, Blinker). Daß er das Partwork „Das III. Reich“ herausgab, vergessen wir gern. – Seine Freunde sind ihm sehr zugetan. Durch seine Lebensarbeit hat er sich die herzlichsten Glückwünsche verdient. G. B.