Berlin: „Bernhard Heiliger“

Die Retrospektive zum 60. Geburtstag von Heiliger im November Versammelt die Arbeiten aus den letzten 15 Jahren, soweit diese nicht längst einen festen Aufstellungsort in Berlin und anderswo gefunden haben: als Denkmal im Freien (wie die berühmte und umstrittene „Flamme“ von 1963 am Ernst-Reuter-Platz) oder an repräsentativer Stelle in repräsentativen Räumen (etwa das großformatige Bronzerelief „Panta rhei“, 1963, in der deutschen Botschaft in Paris oder die Hängeskulptur „Kosmos“, 1967/72, im Reichstagsgebäude). Aber auch aus dem Funktionszusammenhang ihrer jeweiligen Repräsentanz gelöst, in den sachlichen Räumen der Akademie, bleibt Heiligers Plastiken eine eigentümlich offizielle Aura, und zwar nicht im Sinn von Monumentalität oder überpersönlichem Pathos, sondern vielmehr, weil Pathos, Monumentalität und jeder emotionale Ausdruck auf ein kultiviertes unpersönliches Moderato herabgestimmt sind. Formale Spannungen, zwischen Dynamik und Statik, zwischen polierten und patinierten Oberflächen, werden für das Auge nie schmerzhaft. Wenn der Kanon seiner bevorzugten Einzelformen einerseits Archaisches evoziert, andererseits an die technisch-funktionalen Formen des Raumflugs denken läßt, so irritiert es immerhin, wie bruchlos Technisches und Archaisches in Skulpturen wie „Sonnenflug“ oder „Raumflug“ in eins gezwungen sind. – Es ist schade, daß die Retrospektive erst mit dem Jahr 1960 einsetzt und so die frühen gegenstandsbezogenen Arbeiter! nicht vorstellt, darunter vor allem die großartige Reihe der Porträts. (Akademie der Künste und Neuer Berliner Kunstverein bis zum 25. Mai, Katalog 15 Mark)

Katrin Sello

Köln: „Neue Sachlichkeit“

Fünfzig Jahre ist es her, daß Gustav Hartlaub in Mannheim die „Neue Sachlichkeit“ als Alternative zur Malerei des Expressionismus ausgestellt und ihr den Namen gegeben hat. Und obgleich diese spezifisch deutsche Richtung in der Kunst der zwanziger Jahre, seitdem sie 1961 während der Berliner Festwochen wiederentdeckt und öffentlich präsentiert wurde, gründlich unter den verschiedensten stilkritischen und auch regionalen Aspekten aufgearbeitet wurde, tauchen immer noch neue Namen und Künstler auf, die das Bild ergänzen und erweitern. In der Kölner Galerie von Abercron sind annähernd neunzig Arbeiten von zwölf Malern zu besichtigen, darunter so unbekannte und bemerkenswerte Leute wie Jozsef Bato und Masjutin, der eine aus Ungarn, der andere aus Rußland, die beide nach Berlin verschlagen wurden und prägnante „neusachliche“ Stadtansichten hinterlassen haben. Die interessanteste Figur ist Manfred Hirzel, ein Porträtmaler, der 1932, erst 27 Jahre alt, in Berlin gestorben ist; die Bilder kommen aus dem Nachlaß, sie waren seitdem nicht ausgestellt. Außerdem sind Wunderwald, Räderscheidt und die Hannoveraner Grete Jürgens, Gerta Overbeck-Schenk und Erich Wegner mit größeren Werkgruppen vertreten. (Galerie Abercron bis zum 3. Mai, Katalog 15,– DM)

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen