„Die höhere Kultur der Deutschen“

„Die Kolonisation des Ostlandes durch die Landesherren. Albrecht der Bär aus dem Hause der Askanier war seit 1134 Markgraf der Nordmark, der heutigen Altmark. In blutigen Kämpfen hatte er die Slawen in der Mark Brandenburg nach Osten in Sumpf- oder Waldgebiete zurückgedrängt. Ode lag nun das Land. Albrecht aber wollte auch wieder aufbauen und dem gewonnenen Land die höhere Kultur der Deutschen bringen. Deshalb brauchte er vor allem tatkräftige Siedler. Er schickte Boten in die Rheingegenden sowie zu den Holländern und Flamen und ließ verkünden: „Kommt in die Lande an Havel und Spree! Ihr könnt in den Dörfern und Burgen der Slawen wohnen...“ Das ließ sich hören. Viele Bauern folgten dem Ruf. Sie kamen nicht mit leeren Händen. Ihre Ackergeräte brachten sie mit, darunter den Räderpflug. Schon dadurch waren sie dem vertriebenen slawischen Bauern mit seinem hölzernen Hakenpflug überlegen. Die ersten Jahre auf dem eigenen Besitz waren hart. Aber es dauerte nicht lange, da war von der früheren Einöde und Wüste nichts mehr zu sehen. Fette Weiden, gesundes Vieh, sauber bestellte Felder und schmucke Dörfer mit frohen Menschen hatten das Bild völlig verwandelt.“

(„Wege der Völker“, 1953 – Moritz Diesterweg Verlag)

„Es gab kaum Reibereien“

„,Deutsche Ostkolonisation’ – Was ist das?... Es lag ganz im Interesse der polnischen Fürsten, immer mehr Siedler aus dem Westen in ihre Gebiete zu holen. Daraus entwickelte sich eine ‚deutsche Ostkolonisation‘.

‚Was lag diesem Vorgang zugrunde? Verbesserungen der Landwirtschaftstechnik (Dreifelderwirtschaft, eiserne Feldgeräte, Pferdebespannung) hatten es in West- und Mitteleuropa ermöglicht, zunächst mit gleicher Menschenzahl mehr Boden zu bewirtschaften. Dann hatte sich in diesen Gebieten eine starke Bevölkerungsvermehrung ergeben. Die dadurch freigesetzten Menschen zogen ‚gen Osten‘, nach Pommern und Schlesien. Diese Wanderung organisierte man so; Von ,Unternehmern‘ (d. h. wagemutigen Personen, die für die damit verbundene Arbeit erbliche Bürgermeisterstellen erhielten) wurden Wagenzüge angeworbener Siedler in einheitlich geplante Großdörfer oder auch Städte mit eigenem Recht gelenkt. Die Siedler erhielten für die oft außerordentlich hohen Entbehrungen der Aufbauzeit eine verbesserte soziale Stellung... Zwischen den wenigen Einwohnern und den zahlreichen Neusiedlern entstanden kaum Reibereien. Statt dessen entwickelte sich ein friedlich-nachbarlicher Austauschprozeß’. (Aus: Informationen zur politischen Bildung. Folge 142: Deutsche und Polen 1, 1970, S. 2).“

(„Geschichtliche Weltkunde“, 1974 – Moritz Diesterweg Verlag)