Dem großen Mao, der schwimmend seinem Volk eine Gesundheitslektion erteilte, folgte trimm-trabend der Bundespräsident Walter Scheel. „Wir laufen los“, rief er in der Hoffnung auf einsichtige Untertanen ins Ohr der Nation. Aber erst die Tatsache, daß er das Startzeichen auch höchstpersönlich ernst und wörtlich nahm, wird in die mittlerweile fünfjährige Trimmgeschichte als revolutionierend eingehen.

Der erste Bürger des Landes tummelte sich ohne die äußeren Zeichen staatsmännischer Würde, sondern im Gewand eines unscheinbaren Waldläufers auf den Spuren des Fitneßkoboldes Trimmy und weitere Prominenz trat wiederum in die Präsidentenfußstapfen. Katharina Focke, für die Gesundheit hierzulande verantwortlich, bot ein bemerkenswertes Beispiel dafür, daß der Weg von der ministeriellen Vorstellung bis zur praktischen Verwirklichung gelegentlich sogar kurz sein kann und der schwergewichtige Sportführer Willi Weyer gefiel bei einer Demonstration des gesunden Volksempfindens.

„Trimm-Trab –das neue Laufen ohne zu schnaufen“, soll nach der höchstinstanzlichen Geburtshilfe im Wald des Bonner Venusberges nun zum Lebensborn 1975 werden. Die mögliche Tragweite dieses gesundheitspolitischen Anliegens, dem die Erfinder vom Deutschen Sportbund mit Unterstützung durch Kapazitäten der Medizin auch noch das Attribut „Spaß“ vorausschicken, wird durch Zahlen besonders deutlich. In Anbetracht der Tatsache, daß in der Bundesrepublik jährlich 25 Milliarden Mark für Rehabilitationszwecke ausgegeben werden, könnte millionenfach befolgter Präsidentenrat das Gefüge der Nation auch anderweitig in Bewegung zu bringen.

Trimmy und das Staatsoberhaupt – ein ungewöhnliches, aber vielversprechendes Gespann.

Harald Pieper