„Karl Gutzkow: Liberale Energie“ – Eine Sammlung seiner kritischen Schriften, mit einem Vorwort und Kommentaren, herausgegeben von Peter Demetz. Im Gedächtnis der deutschen Literaturfreunde lebt Karl Gutzkow nur in einem einzigen Moment der Geschichte; man erinnert sich seiner öffentlichen Auseinandersetzungen mit dem System Metternich und vergißt, daß diese Konflikte nur am Anbeginn eines langen und geplagten Lebens (1811 bis 1878) standen. Diese Sammlung seiner kritischen Schriften sucht Einheit und Folgerichtigkeit seiner Arbeit von neuem zu entdecken: sein Unbehagen an einer sonntäglichen Literatur, die sich von gesellschaftlichen Interessen abwendet, aber auch seinen radikalen Zweifel an einer bloßen Prosa der Erfahrung, die den Menschen im Realistischen einschließt Gutzkow war, in seinen Polemiken gegen Menzel, Tieck, Nestroy und in seinen Charakteristiken Shelleys, Balzacs und Madame de Staëls ein Kritiker mit unabhängigem Urteil und weltliterarischen Perspektiven; Friedrich Engels publizierte in seinem „Telegraphen“, Georg Büchner in seinem Literaturblatt, aber er war nicht geneigt, alle Tradition zu opfern, vermittelte zwischen den byzantinischen Bewunderern und den Widersachern Goethes und geriet, um die Mitte des Jahrhunderts, in immer unerbittlicheren Konflikt mit den Nationalliberalen, die den starken preußischen Staat zugleich mit dem programmatischen Realismus forderten (Materialien zur Realismus-Diskussion). „In der Epoche zwischen Lessing und Fontane haben wir, auf Seiten der Liberalität, wenige Schriftsteller wie ihn.“ (Ullstein Buch 3033; Ullstein Verlag, Berlin, 1974; 426 S., 19,80 DM.)