Wieviel wußte Karl Carstens von den Waffengeschäften des Bundesnachrichtendienstes? Der Nebel um die Aussagen des CDU/CSU-Fraktionschefs vor dem Guillaume-Ausschuß ist fast undurchdringlich. Die SPD beschuldigt ihn der Falschaussage, weil er bestritt, daß er während seiner Staatssekretärszeit Kenntnis von solchen Geschäften hatte. Carstens indes droht mit dem Kadi.

Die Fragestunde im Bundestag brachte wenigstens ein paar Klarheiten. Erstens: Akten beweisen, daß der Bundesnachrichtendienst von 1964 bis 1967 am Waffenhandel beteiligt war. Zweitens: Spätestens seit 11. Juli 1969, anderthalb Jahre nach seinem Beginn als Kanzleramtschef, war Carstens über die früheren Waffengeschäfte unterrichtet. Drittens: Carstens ließ daraufhin diese Geschäfte überprüfen.

Was bis zu diesem Zeitpunkt geschehen war, kann man Carstens nicht anlasten. Er kommt erst durch die Auskunft des jetzigen Kanzleramtschefs Schüler ins Zwielicht, wonach sich auch „während der Zeit, während der Herr Professor Carstens Chef des Bundeskanzleramtes gewesen ist, der BND weiterhin an Waffengeschäften beteiligt hat“. Erst Horst Ehmke machte Schluß damit.

Vielleicht hat Carstens tatsächlich nicht davon gewußt, weil er sich nicht darum gekümmert hat. Das Gegenteil ist ihm jedenfalls nicht zu beweisen. Dann aber hat er seine Aufsichtspflicht sträflich vernachlässigt. Und auch dieser Vorwurf wiegt schwer. E.N.