Von Dieter Buhl

Bangkok, im April

Auf den Flughäfen Asiens heben sich die Gruppen von den unbeschwerten Touristen-Kolonnen und den abgehetzten Geschäftsleuten ab: Flüchtlinge. Vor zwei Wochen kamen sie aus Kambodscha, jetzt sind es Passagiere der nur noch unregelmäßig verkehrenden Linienmaschinen aus Saigon. Mit Kind und Kegel verdrücken sie sich in die Ecken der Warteräume, wirken verwirrt, ratlos. Auch wenn sie, wie Kleidung und Gepäck verraten, nicht gerade zu den Ärmsten der Armen zählen, ist ihnen die größte Qual des Flüchtlingsschicksals anzumerken: die Ungewißheit.

Die Familien in den Transitlinien von Singapur, Bangkok oder Hongkong gehören zu den winzigen Auslands-Ausläufern der indochinesischen Flüchtlingsströme. Sie sind ein Teil jener Kaste von Privilegierten, die mit Geld oder durch gute Beziehungen den Sprung aus Chaos und Gefahr geschafft haben. Unbeachtet von den meisten Fluggästen, ohne Betreuung durch karitative Organisationen, warten sie auf ihre Maschinen nach Europa oder Amerika. Von den Nachbarländern ihrer verlorenen Heimat haben sie keine Hilfe zu erwarten. Dort sind sie nicht willkommen.

Die Verlorenheit der Flüchtlinge an den Knotenpunkten des asiatischen Luftverkehrs, die Gleichgültigkeit, die ihnen entgegenschlägt, ist kennzeichnend: Asien verfolgt die Vorgänge in Indochina mit gespannter Aufmerksamkeit, häufig mit Angst, aber ohne deutliche Zeichen von Mitgefühl. Wenn es überhaupt so etwas wie ein alle verbindendes Gefühl gibt, dann ist es nicht die Solidarität mit den Kambodschanern oder Vietnamesen, sondern die Verachtung für die Amerikaner.

Um festzustellen, wie weit diese Verachtung um sich gegriffen hat und wie tief sie sitzt, genügte es, die Reaktionen auf das vielverbreitete Photo zu beobachten, das den ehemaligen US-Botschafter in Phnom Penh als Flüchtling mit zwei Fahnen unter dem Arm zeigte. Selten so gelacht – so ließe sich die Wirkung des Bildes beschreiben, das Ungebrochenheit in der Niederlage demonstrieren sollte, in asiatischen Augen aber offenbar eine höchst lächerliche und unangebrachte Pose widergab. Amerika hat in Asien sein Gesicht verloren. Die unterlassene Hilfe hat viel Vertrauen zerstört.

Gleichwohl ist Amerika noch nicht abgeschrieben. Nicht einmal in Taiwan, das neben dem Regime in Südkorea lange Amerikas treuester Verbündeter war und dann als Erster fallen gelassen wurde. Taipehs stellvertretender Außenminister Yan: „Über die Fehler der Amerikaner sollten wir nicht reden, sondern lieber nach vorne sehen.“