Hervorragende „Lancelot, Ritter der Königin“, von Robert Bresson. Ein Turnier: das Scheppern von Rüstungen, das Splittern von Lanzen. Eine Schlacht reiterlose Pferde irren durch den nächtlichen Wald, Raber krächzen am Himmel. Bressons Kino der Reduktion, der radikalen Komprimierung auf optische und zuma akustische Zeichen, hat in „Lancelot du Lac“ seine Erfüllung gefunden. Die Geschichte der gescheiterten Gralsritter, vom Untergang bereits gezeichneten Relikten einer sterbenden Welt, vollzieht sich mit eine kompositorischen Strenge ohne Beispiel. Kein Bild kein Ton ist überflüssig, und wie immer ersetzt Bresson häufig Bilder durch Geräusche. (ARD 4. Mai)

Beachtlich:

„Unternehmen Rosebud“, von Otto Preminger. Entweder ist der „eiserne Otto“ komplett senil geworden. oder aber „Rosebud“ ist ein subversiver Geniestreich wider die Schablonen des Pollt-Thriller-Genres von Costa-Gavras bis zum „Schakal“. Ostentativ häuft Preminger groteske Ungereimtheiten, zelebriert ein absurdes Theater mit israelischen Agenten in Pfadfinderkluft, fünf gräßlich dummen, vom „Schwarzen September“ gekidnappten Millionärstöchtern und einem feminin wirkenden Superagenten (Peter O’Toole), der einen merkwürdig zerknautschten Tirolerhut spazierenträgt Es gibt keinen einzigen Spannungseffekt in diesem wahnwitzig wirren, konsequent langweiligen Film. Der Zuschauer wird – listig oder nur lustlos? – um alle Vergnügungen der zahllosen Thriller und Anti-Thriller betrogen. Statt dessen gibt es bodenlosen Nonsens zu sehen. Ein aufregender Film.

Mittelmäßig:

„Die Ihr läuft ab“, von Casper Wrede. In einem namenlosen skandinavischen Land wird die britische Botschaft von Polit-Terroristen gestürmt, werden der Botschafter und zwei Hausangestellte als Geiseln für die Freilassung von Anarchisten festgesetzt. Als „Ransom“ am vergangenen Donnerstag in der Bundesrepublik anlief, stürmte das „Kommando Holger Meins“ gerade die deutsche Botschaft in Stockholm: Kein Polit-Thriller ist verlegen genug, um nicht sofort von der Realität bestätigt zu werden. Wrede immerhin liefert über weite Strecken die erstaunlich kühle Darstellung einer Terroraktion und ihrer Folgen. Erst in den letzten zehn Minuten entwickelt sich der Film zu einer hanebüchenen Räuberpistole.

Ärgerlich:

„Europa in Flammen“, von Hans Gnamm, Ludwig Kerscher aus dem bayrischen Cham nennt sich „Europas größter Obstbaum-Importeur“ und beglückte uns bereits mit der Ausgrabung des Heimatfilms „Wo der Wildbach rauscht“. Diesmal handelt er mit besonders faulen Zitronen: Der pseudodokumentarische Schnipselsalat mit dem entlarvenden Untertitel „Heldentum an allen Fronten“ stammt aus dem Jahr 1961 und lief früher als „Seit 5,45 Uhr wird zurückgeschossen“. Zu blecherner Jubelmusik sieht man Hitlers Truppen auf dem Vormarsch, da klingt hoch das Lied vom Militarismus: zum Kotzen.