DIE ZEIT

Nahost-Klemme

Auf dem nahöstlichen Schauplatz ist das Europa der Neun kein ausschlaggebender Faktor, jedenfalls nicht vor einer Regelung des arabisch-israelischen Konfliktes.

Halbe Hilfe

Nun wird die Bundesregierung der Presse also doch helfen. Der Maßnahmen-Katalog, den Staatssekretär Baum vom Bundesinnenministerium in der vergangenen Woche im Bundestag vorlegte, beweist, daß Bonn sich die Presse doch etwas kosten lassen will.

Weltmacht auf Reise

Mit Donner und Paukenschlag, den Stolz über die gelungene Mayaguez-Aktion und den Schweiß dieses Kraftaktes noch auf der Stirn, brach Henry Kissinger nach Europa auf.

Funkstille?

Was alle wütende Propaganda der kommunistischen Parteidiktaturen "nicht zustandebrachte, droht jetzt ein Dolchstoß aus dem Westen zu bewerkstelligen: die Gefährdung der beiden amerikanischen Sender in München, Radio Free Europe für Osteuropa und Radio Liberty für die Sowjetunion.

Im Luftzug unserer Freiheit

Andreas Baader und Ulrike Meinhof stehen drei Jahre nach ihrer Festnahme endlich vor Gericht, mit ihnen Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.

Bayern als Bollwerk Europas

Hinter verschlossenen Türen wird Fraktur geredet. Im Johannes-Kolleg, einem Wohnheim für ausländische Studenten im Münchner Norden, rücken die Unions-Bayern vom Kreisverband 8 enger als sonst zusammen und wettern lautstark gegen die Schwesterpartei nördlich der Mainlinie: "Wir sind hinters Licht geführt und betrogen worden", schimpft der CSU-Bundestagsabgeordnete Fritz Wittmann; sein Parteifreund Daffner empfiehlt, "einer laxen Partei wie der CDU" endlich die richtige Politik "aufzuzwingen"; ein dritter grantelt: "Strauß hält für die den Buckel hin – und dann lassen sie ihn nicht ran.

Zeitmosaik

Die Schauspieler haben gelernt, Interpretationen vorzuschlagen. Ich habe gelernt, diesen Interpretationen eine Form zu geben.

Mäntelchen im Winde

Der Zwischenfall mit der "Mayaguez" kam wie gerufen – nicht nur für die Amerikaner, die eine moralische Aufrüstung dringend nötig hatten, sondern auch für die Thais, die den siegreichen kommunistischen Nachbarn in Indochina ihre außenpolitische Neuorientierung demonstrieren konnten: Die Landung amerikanischer Marineinfanterie, entgegen dem erklärten Willen der thailändischen Regierung, wurde zum Paradebeispiel dafür, wie Weltmächte in Krisensituationen mit den kleinen Staaten um? springen.

Wolf gang Ebert: Dear Mr. Shakespeare...

Seit das ZDF in seiner eigenen Produktion "Gebrauchsanweisung für einen Reichsverweser" tief erschrocken Parallelen zu einem bekannten bayerischen Politiker entdeckte und das Stück darum nicht sendete, grassiert bei unseren Funkanstalten die Parallelen-Angst.

Die Parole heißt Chimurenga

Salisbury macht nicht den Eindruck der Hauptstadt eines Landes, das kurz vor dem Zusammenbruch steht: Französische Kleinautos und japanische Lastwagen verstopfen die Straßen, die Schaufenster sind gefüllt mit Waren aus aller Herren Länder, Weiße und Schwarze tragen einen gewissen Chic zur Schau, an jeder zweiten Straßenecke entsteht ein neues Bürohochhaus – ein Hauch von geschäftiger Sorglosigkeit liegt über der Stadt.

Washington demonstrierte Härte

Die gewaltsame Befreiung des US-Frachters "Mayaguez", der von einem kleinen kambodschanischen Kriegsschiff aufgebracht worden war, ist in den Vereinigten Staaten allgemein begrüßt worden.

Entspannungs-Prinzipien

Die Tatsache, daß wir bei einer unserer Initiativen einen Fehlschlag erlitten haben, bedeutet nicht, daß alle übrigen auch hinfällig werden: Wenn wir uns jetzt nach Vietnam der Verantwortung so unkritisch entziehen, wie wir vor einem Jahrzehnt in eine Verpflichtung hineingeschliddert sind, dann werden wir uns bestimmt bald in einer Zeit des Chaos und der Gefahren sehen, die alle früheren Erfahrungen in den Schatten stellt.

Um die heiligsten Güter

Die Schwalben der Konjunktur, die einige Politiker der Koalition vor den Wahlen am 4. Mai deutlich gesehen hatten, sind verschwunden.

Grenada leidet unter Gairys Politik

Jüngstes Mitglied der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) ist seit zwei Wochen die Karibik-Insel Grenada, ein Nachbar Trinidad-Tobagos, 33 Quadratmeilen groß, mit 110 000 Einwohnern.

Ein tödlicher Trip

Der Fall ist im Strafrecht nicht vorgesehen: Da läßt sich ein junger Bauernbursche aus dem Bayerischen Oberland von zwei Spezln entführen, um beim steinreichen Vater eine halbe Million Lösegeld lockerzumachen.

Patt an der Saar

Denkpause an der Saar. Auch Pfingsten hat den Parteien die Erleuchtung nicht gebracht. Statt Koalitionsfäden zu spinnen, haben die Parteien sich bislang lediglich gegenseitig berochen.

Viel Anteilnahme, wenig kritische Distanz

Man hat den Mut des Verlegers zu bewundern. Nach dem sensationellen Erfolg seines Fest-Buches, müßte man mutmaßen, kann es kaum noch einen Markt in Sachen Hitler geben.

Neid der Ingenieure

Der Autor, selbst einmal Marine-Ingenieuroffizier, zuletzt Mitglied der Schiffbaukommission beim Reichskriegsministerium, schildert, "wie die Technik die Marine als die für die Seeverteidigung zuständige Streitkraft beeinflußte, vor allem aber wie die mit der Technik in der Marine befaßten Menschen sich entwickelten".

Volk blieb draußen vor der Tür

Der bundesrepublikanische Fußball präsentiert sich doch der Welt und das Land auch." Hermann Neuberger, im Augenblick noch Vize-Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB) und potentieller Nachfolger des wahrscheinlich noch in diesem Jahr ausscheidenden Präsidenten Dr.

Peking ante portas

Der olympische Dammbruch contra Taiwan scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Zug um Zug arbeitet sich die Volksrepublik China in das Internationale Olympische Komitee (IOC) zurück, dem sie 1954 beigetreten war und das sie bereits 1958 wieder verlassen hatte, ohne allerdings je selbst an Olympischen Spielen teilgenommen zu haben.

Sein eigener Herr sein...

Wollen. Sie selbständig werden?" – "Die Chance, sein eigener Herr zu sein!" Solche Angebote stehen fast an jedem Wochenende in den Inseratenteilen der Zeitungen.

Der Wehgesang der alten Mimen

"Ich weiß nur, daß von allen Wundern das größte auf der Welt die Liebe ist, daß man die Traurigkeit der Nächte, doch keinen Morgen voller Zärtlichkeit vergißt.

Die Harten und die Zarten

Mit einem Plastikbömbchen im Foyer – keiner weiß wirklich, wer es warf – begann in diesem Jahr das Filmfestival in Cannes, mit einer knalligen, kreischenden Plastikbombe auf der Leinwand klang es aus: Ken Russells "Tommy", dritter Aufguß der gleichnamigen Rock-Oper von den Who, ist eine knallbunte Filmruine, so grell und laut, so wüst und monströs, daß man sich bald langweilt, sich nach einer ganz normalen Szene, einem ruhigen Bild sehnt.

Eine Muse namens Politik

Über den geräumigen Platz vor der neugotischen Kathedrale, vor den aristokratischen Arkaden der Place Carrière schallt es deutsch und deutlich aus den Lautsprechern: "Der liebe Gott schuf Herr und Knecht / Den Herrn geht’s gut, den Knechten schlecht.

Dackelfalte statt Denkerstirn

Schade. Rolf Schneider hat es sich wieder einmal, wie mit seinen jüngsten Büchern, zu leicht gemacht. Dackelfalte statt Denkerstirn.

Filmtips

"Das letzte Kommando" von Hal Ashby. Zwei altgediente Ledernacken sollen einen 18jährigen Matrosen, der wegen einer Lappalie zu acht Jahren Militärgefängnis verurteilt wurde, in die Haft überführen.

Kunstkalender

Ein Ensemble von 62 "nordischen Stücken" aus der Sammlung Jabach hat der Louvre dem Wallraf-Richartz-Museum ausgeliehen und ihm damit zu einem glanzvollen Abschluß seiner zahlreichen Jubiläums-Initiativen und -Ausstellungen verholfen.

Romantik am Fluß

Der Luftbefeuchter wird gerade nachgefüllt. Schon glaubt man, ihn in der Nase zu haben, den Rhein. Allein, die spontane Frage-".

Etwas Neues tun

Vor etwa fünf Jahren erschien in der Bundesdruckerei Bonn, herausgegeben vom Auswärtigen Amt, ein äußerlich schmales, im Inhalt aber gewichtiges Heftchen mit dem Titel "Leitsätze für die Auswärtige Kulturpolitik".

Der weiße Riese

Welch ein Mann! Da hat die "Münchner katholische Kirchenzeitung" schon recht – Hans Maier ist "etwas Besonderes": Stets ein Primus in der Schule, angesehener Ordinarius für Politikwissenschaft mit rund zweihundert Publikationen und als Staatsminister für Unterricht und Kultus am Münchner Salvatorplatz einer der Besten weit und breit im ganzen Land.

Schallplatte

"Heltau singt Brei". Es ist beinahe nicht zu glauben bei dem sonst so ausgeprägten Mißtrauen gegen die musikalische (genauer: die kommerzielle) Tauglichkeit der deutschen Sprache: Der österreichische Schauspieler Heltau singt in der Nachdichtung seines Landsmannes Werner Schneyder, Chansons des Franzosen Jacques Brei.

Robin Hood aus der Vorstadt

Es gibt Themen und Stoffe, die das Dilemma ihrer literarischen Aufbereitung geradezu in sich tragen. Entweder man verfehlt in irgendeiner Weise die innere Wahrheit, auf die es doch ankommt, oder die Zielgruppe, den Leser, ohne den diese Wahrheit im Grunde eine Geheimbotschaft bleibt, verschlüsselt, auffindbar, aber einstweilen wirkungslos.

Kritik in Kürze

"Verzweiflung und Zuversicht", von Gustav René Hocke. Die im Titel angedeuteten Spannungen sind, wie sie sich in Kunst und Literatur niederschlagen, Gegenstand der nicht selten recht weitschweifigen Erörterungen des Verfassers, der seine Thesen durch zahlreiche, eigentlich nicht leicht miteinander vereinbare Nothelfer, zu begründen sucht.

Noch ein Totentanz

Von zwanzig Leichen, Opfern "anarchistischer Attentäter", ist vier Szenen und zweieinhalb Stunden lang ausführlich die Rede, ehe im nur wenige Minuten dauernden, fast stummen Schlußakt die einundzwanzigste Leiche durch ein großes Sargfenster im metallisch schimmernden Katafalk zu sehen ist: der Präsident, Titelfigur in Thomas Bernhards gleichnamigem Stück, das in Wien uraufgeführt worden ist.

Kleist im vierten Gang

Schau schneller, Genosse! Im D-Zug durch Heinrich von Kleist. Das ist erster Eindruck nach einem der seltsamsten Theaterabende der, Spielzeit, im Deutschen Theater, Ostberlin.

An der Oberfläche

Ich bin sicher, ein paar Millionen Männer und einige zehntausend Frauen haben "na, siehst du" gesagt, "so ist es" und "genau wie bei uns", als am Pfingstmontag die Fußballmatadore vom Kreuzberger Kiez den Platz an der Wrangelstraße verließen: jene paar Millionen, die sich Sonntag für Sonntag auf den Weg machen, zuerst zum Lokalverein und dann ins Vereinslokal, um bei der kritischen Beobachtung von Torwart, Libero und Vollstrecker, beim Gespräch mit dem Nachbarn ("war’n noch andere Zeiten, früher, als wir in der Regionalliga spielten": der Nachbar nickt) und in der Debatte am Vorstandstisch ein wenig Stallmief zu schnuppern.

Die unpolitische Botschaft

Kunst in den sozialistischen Ländern: wer das immer noch für etwas einheitlich Monolithisches hält, das sozialistischer Realismus genannt wird, kann sich derzeit vom Gegenteil überzeugen.

Ein Gewürz liegt in der Luft

Nein, die spanische Stadt Granada war nicht mein Reiseziel. Und doch: zwischen der kleinen unbekannten Karibikinsel mit dem oft mißverstandenen Namen Grenada und der Maurenstadt besteht ein Zusammenhang.

Reisen wie Maßanzüge

Das Reisen ist seine Leidenschaft. Seine Frau sagt von ihm: "Wahrscheinlich hat er Zigeunerblut in den Adern." Nach dem Krieg ist er in den Schulferien auf einem klapprigen Fahrrad mit Vollgummireifen kreuz und quer durch Westdeutschland gefahren.

Transitreisen durch die DDR

Wer nach Polen, in die Tschechoslowakei oder in die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden mit dem Auto reisen will, darf selbstverständlich als Transitreisender durch die DDR fahren.

Robinson de Luxe

Die Robinson Clubs Gesellschaft in Frankfurt ist angetreten, das deutsche Gegenstück zum Club Méditerranée zu schaffen. Manches ist von dort übernommen worden, manches wurde neu erdacht, um das einfache Leben mit Dusche und WC anbieten zu können.

Neue Führer

Hans Bibelriether/Hartmut Strunz: Nationalparkführer Bayerischer Wald mit 36 Wandervorschlägen; BLV Verlagsgesellschaft mbH, München, 160 Seiten, 36 Wanderkarten, 2 doppelseitige Übersichtskarten, 35 Photos, 16 Mark.

Segel-Brevier

Der Segelboom in der Bundesrepublik überschlägt sich: Es ist inzwischen fast einfacher ein Boot zu finanzieren, als ein Boot in einem der Häfen unterzubringen – Liegeplätze sind Mangelware.

Reisenachrichten

Gerade rechtzeitig vor dem Anrollen der großen Urlaubswelle hat die österreichische Fremdenverkehrswerbung einen Prospekt herausgebracht, der künftig helfen soll, das Vor- und Nachsaisongeschäft zu steigern: In der rund 100 Seiten starken Broschüre "round-table-Konferenzhotels" werden rund 45 Häuser empfohlen, die Platz und Komfort genug bieten, Tagungsgruppen jeder Teilnehmerstärke aufzunehmen.

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