Von Jens Friedemann

Er fühlt sich als Schmied eines der größten Kartelle der Welt. Doch jedesmal, wenn sich in der chilenischen Hauptstadt Santiago die Vertreter der Kupferländer treffen, gerät Arturo Yovane, Polizeigeneral und Bergbauminister seines Landes, in Zweifel. „Der Kojak des Kupfermarktes“, wie ihn ein amerikanischer Reporter bezeichnete, fürchtet, daß ihn die Kupferkonzerne und Metallbörsen zum zweitenmal aufs Kreuz legen.

Nach dem Vorbild der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) hatte der General im Frühjahr letzten Jahres das Kartell der Kupferproduzenten „Cipec“ neu belebt. Die alarmierende Nachricht löste prompt eine Bombenhausse aus. Londoner Börsenmakler registrierten einen astronomischen Preisanstieg, der die Buntmetall-Tonne von einst 500 auf über 1400 Pfund Sterling hochtrieb. Alteingesessene Handelsfirmen, die längst auf fallende Preise gesetzt hatten, wie die amerikanische Aaron Ferer & Sons, gerieten an den Rand des Ruins. Doch dann endete der Traum der Kupfer-Scheiche jäh.

Obwohl die Cipec-Länder Chile, Peru, Sambia und Zaire, die siebzig Prozent der Weltförderung besitzen, ihre Exporte um zehn Prozent kürzten, brach der Preis zusammen. Schuld daran, so glaubt der Polizeigeneral, sind die Konzerne und Metallbörsen in London und New York. Sie hätten ihre Lagerbestände zuvor aufgestockt und den Kupferboykott damit unterlaufen.

Erfolglos verlief auch ein Versuch lateinamerikanischer Bananenländer, den Preis durch ein Exportkartell zu manipulieren. Ecuador, einer der großen Bananenlieferanten, machte nicht mit. Ähnlich erging es den vier großen Kaffeeländern Brasilien, Columbia, Angola und der Elfenbeinküste. Auch ihr Versuch, durch Exportkontingente höhere Preise durchzusetzen, scheiterte. Der Egoismus anderer Produzenten war größer als die Aussicht, durch Einheit stark zu werden.

Londons renommierte Rohstoffexperten von Sterling Commodities bezweifeln, daß es den Ländern der Dritten Welt überhaupt je gelingen wird, sich auf Kartell-Formeln zu einigen. „Sie begreifen nicht einmal die einfachsten Regeln des Marktes; schmieden Kartelle, wenn sich der Markt gegen sie wendet, anstatt auf steigende Nachfrage zu warten“, heißt es in einer ihrer Expertisen.

Ob die Experten recht haben, muß seit einigen Wochen bezweifelt werden. Gestärkt durch das Beispiel der Opec und ideologisch durch Parolen aus dem sozialistischen Algerien gestützt, beginnen die Rohstoffländer „ein neues Bewußtsein zu entwickeln“, wie der Premierminister von Singapur, Lee Kwan, auf der jüngsten Commonwealth-Konferenz auf Jamaika erklärte.