DIE ZEIT

Zu früh gefreut

Am steinigen Wege der deutsch-polnischen Beziehungen blüht neues Mißtrauen. Oberstaatsanwalt Rückerl, der Leiter der "Zentralen Stelle" in Ludwigsburg, ein-Mann, der seit Jahr und Tag in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen nichts anderes getan hat, als untergetauchte NS-Verbrecher aufzuspüren und zu überführen, wird beschuldigt, er habe einen Delinquenten entlasten wollen.

Signale am Suezkanal

Nach bald dreißig Jahren Feindschaft und nach vier Kriegen ist nichts schwieriger, als Israelis und Araber zum Frieden zu bringen.

Sparen - oder lieber verschwenden?

Die Menschen in unserem Lande haben Angst vor der Zukunft. Sie sind sich nicht mehr so sicher, daß das Schicksal der Arbeitslosigkeit nur die anderen trifft.

Die Tribüne wurde zum Fettnäpfchen

Politisches Fingerspitzengefühl hat deutsche Generäle selten ausgezeichnet, und diese Tradition hat sich offensichtlich auch in der Bundeswehr gehalten, wie der Fall des Heeresinspekteurs Horst Hildebrandt zeigt.

Zeitspiegel

Die südafrikanische Regierung pflegt empfindlich zu reagieren, wenn jemand seinen Finger auf die wunden Stellen der Republik, seine diskriminierende Rassenpolitik, legt.

Die Wirkung des Terrors strahlt aus

Der Ausbau des liberalen Rechtsstaates stockt. Und nicht nur dies: Einige Fenster, die Bonns Reformer ins Mauerwerk der traditionellen Ordnung gebrochen hatten, werden nun, so scheint es, wieder zugemauert.

Wie ein Wirbelwind durch Europa

Europa Eine Woche lang ist Präsident Ford, der ungekrönte König des Westens, wie ein Wirbelwind durch Europa gereist und hat sich, einem strapaziösen Programm unterworfen.

Wolf gang Ebert: Das war der Gipfel!

"Wenn es bei uns drei Millionen Türken gäbe, hätte ich meinen zweiten Job bei einem türkischen Barbier gehabt und wäre dort bestimmt auch sehr glücklich gewesen.

Gipfel der Beschwörungen

Der Brüsseler Gipfel leuchtete in prächtigen Paradefarben und im Schein königlicher Lüster über die Erde. Aber von seiner Höhe ist den Nationen des Westens kein neuer Weg aus dem Zwielicht der Weltsituation gewiesen worden.

Frei von Ballast

Zaghaft, aber doch mit ernsthafter Absicht, hat die Junge Union am Seil des Totenglöckleins für eine seltsame CDU-Organisation gezogen: Die Exil-CDU soll auf dem Mannheimer Parteitag abgeschafft, ihre dubiose Vertretung auf den CDU-Parteitagen zumindest beendet werden.

Pannen bei Amerikas Aufklärung

Die militärische Aufklärung der Vereinigten Staaten kam in der vorigen Woche gleich zweimal ins Gerede: Am Donnerstag stürzte bei Winterberg im Sauerland eine U-2 mit geheimer Elektronik ab; die "New York Times" enthüllte die Operation "Holystone", die Unterwasser-Spionage gegen die sowjetische Flotte.

New Deal für Dritte Welt?

Auf der Pariser Tagung der Außen-, Wirtschafts- und Finanzminister aus den 24 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unterbreitete US-Außenminister Henry Kissinger in der vergangenen Woche neue Maßnahmen zur Kooperation mit den Rohstoff- und Entwicklungsländern.

Aufgaben der Allianz

Erstens geht es um die Aufrechterhaltung einer starken und glaubwürdigen Verteidigung. Unsere Zusage, keinen einseitigen Abbau der amerikanischen Nato-Truppen vorzunehmen, behält ihre Gültigkeit.

Schlimmer als ein Feind

Der Entspannung mit China zuliebe, vielleicht auch um die Reise Bundeskanzler Schmidts nach Peking abzusichern, behandelt das Auswärtige Amt neuerdings offizielle Vertreter der antikommunistischen Chinesischen Republik Taiwan äußerst unfreundlich.

Koreanisches Kriegsgeschrei

In großen Lettern stand auf den Transparenten: "Vergeßt nicht die Lehren von Vietnam." Aber die Mahnung richtete sich nicht nur an die amerikanische Regierung und den Kongreß in Washington, sondern auch an die eigenen Leute.

Wind von vorn

In der Wahlnacht von 1972, als die südwestdeutsche SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Walter Krause gerade die größte Wahlchance ihrer Geschichte verspielt hatte, krittelte Erhard Eppler an der Wahlkampfstrategie seiner Genossen herum: Man habe alles falsch gemacht.

Wind im Rücken

Sogar seine Parteifreunde vermochten es nicht ganz zu begreifen: Da wurde Rainer Barzel auf dem Parteitag des CDU-Landesverbandes Westfalen-Lippe in Dortmund mit Ovationen gefeiert, aber er nutzte seinen Erfolg nicht aus, er versuchte nicht, die Begeisterung, die ihm entgegenschlug, in ein Parteiamt umzumünzen.

Brot für Prominente

Obwohl der 44jährige keine Reklame macht, nicht einmal ein Schild ziert seine Haustür, ist Kiehls "Schanzenbrot" in den drei Sorten grob, mittel und fein eine international begehrte Spezialität.

Krise um den Kurs

Ist der Hamburger Kunstverein noch zu retten? Nach allem, was sich erst hinter verschlossenen Türen, dann in der Öffentlichkeit abgespielt hat, sieht es so aus, als ob das Ende seiner immerhin mehr als hundertfünfzigjährigen Geschichte gekommen sei.

"High und frei"

Während in Stuttgart-Stammheim schon nach wenigen Stunden die Verhandlung gegen den Kern der Baader-Meinhof-Gruppe platzte, ging letzte Woche in Hamburg ohne großes Aufsehen ein Prozeß gegen vier Randfiguren der anarchistischen Szene zu Ende.

Herbert Weichmann:: Eine Mahnung

Mit der Austrittserklärung ist noch nicht etwa beabsichtigt, daß ein zweiter Kunstverein ins Leben gerufen werden soll oder daß eine parlamentarische Aktion mit dem Zweck der Sperrung der Subventionen erfolgt.

Senioren-GmbH

Ich wähle die Nummer ..." war auf die Stimmzettel gedruckt. Nach der Auszählung hatte die Nummer 27 das beste Ergebnis. Fünfzigmal war sie; notiert.

Mitarbeiter oder totaler Gegner?

Jede Opposition hat es schwer. In Diktaturen kann sie ohnehin nur unter dem Risiko organisatorischer und physischer Vernichtung arbeiten.

Wahlrecht contra Staatsstreich

Die "Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien" – ein freier, interdisziplinär arbeitender Zusammenschluß vornehmlich jüngerer Historiker – hat sich auf dem Historikertag in Regensburg 1972 die Aufgabe gestellt, ein Handbuch zur Geschichte des deutschen Parlamentarismus zu erarbeiten.

Wer ist der Größte?

Bei den Berufsboxern ist diese Frage einfach zu beantworten: Natürlich ist Muhammad Ali, alias Cassius Clay, der Größte. Er hat es ja oft genug hinausposaunt und hat wohl auch recht, trotz aller Großmannssucht.

Kein Ersatz für Fortschritt

Auf schweißtreibende Weise wird der Hotelgast mit der Planwirtschaft vertraut gemacht: Eine warme Maisonne schraubt die Außentemperatur auf 26 Grad, drinnen läuft die Heizung auf Hochtouren.

Die Gewerkschaften wollen zuviel

Wir haben Glück mit unseren Gewerkschaften. In England muß die Labour Party, obwohl in viel höherem Maß mit den Gewerkschaften verbunden als die deutschen Sozialdemokraten, um ihre Existenz als Regierungspartei gegen radikale Aktionen der Gewerkschaftsbosse kämpfen.

Bonner Kulisse

Ein für Bonner Verhältnisse ungewöhnliches Publikum hatte der Saudi-Araber Hassan Ben Said, der als Chef einer Regierungsdelegation seines Landes zur Pressekonferenz ins Hotel am Tulpenfeld lud.

Carli geht

Der italienische Notenbankchef Guido Carli ist nicht vom Stamm jener römischen Staatsmanager, die mit Rücktritt drohen, um desto sicherer auf ihren Posten zu bleiben.

Ein Kampf ums Blei

Im Streit um sauberes Benzin wollen Öl- und Autolobby von ihren Argumenten nichts mehr wissen

Sparers Leid

Schon am Dienstag dieser Woche hat die Deutsche Bank mitgeteilt, daß sie vom 9. Juni an ihre Sparzinsen um ein halbes Prozent senken wird.

Zufrieden mit der Hälfte

Ein Demonstrationszug bewegte sich würdigen Schritts durch Tokio. Die Teilnehmer hatten sich zwar mit Parolen geschmückt, mit Schärpen und Kopfbändern zurecht gemacht, aber ansonsten verhielten sie sich vorbildlich.

Kampf der Langeweile

Geld aus Steuermitteln soll dazu dienen, ein modernes Schlagwort mit wissenschaftlichem Inhalt zu erfüllen. Bis Ende 1977 will Bundesforschungsminister Hans Matthöfer 16,7 Millionen Mark für die Förderung eines Großversuchs zur "Humanisierung des Arbeitslebens" ausgeben: In einem Gemeinschaftsprojekt wird der Elektrokonzern Bosch in Zusammenarbeit mit vier wissenschaftlichen Forschungsinstituten versuchsweise Fließbandarbeit abschaffen und durch neue Formen der Arbeitsorganisation ersetzen.

Bahr muß Federn lassen

Die harten Attacken der Dritten Welt führen zu Kontroversen im Regierungslager

Rezepte

Wer sich mit den Gestaltungsmöglichkeiten einer Gewinn- und/oder Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter beschäftigen will – ob als Unternehmer oder Theoretiker –, findet in diesem Buch eine nützliche Hilfe und reichhaltiges Material.

Stille Reserven

Humane Arbeitsplätze sind mehr, als nur gutes Licht, ausreichende Belüftung, wenig Lärm und gute Heizung. Diese – notwendigen Forderungen würde man auch an den Erbauer eines Kuh- oder Schweinestalls richten müssen.

Unter Beschuß

Der Titel des Buches wird manchen auf den ersten Blick abschrecken. "Die Kontroverse um die Multinationalen Unternehmen" ist ein Thema, das seit Jahren endlose öffentliche Diskussionen und seit der Ölkrise politische Emotionen hervorruft.

Denker und Macher

Eine Karikatur im Buch, das Helmut Ackermann illustrierte, zeigt – unverkennbar – Ludwig Poullain, den Chef der Westdeutschen Landesbank, mit einer Balancierstange, an der ein Dollarsack hängt, auf dem Hochseil, während – unverkennbar – Wilhelm Hankel, der einst glücklose Chef der Hessischen Landesbank, abgestürzt im Netz liegt.

In Moll gestimmt

Die Sorgen und Nöte der Branche sind in der Tat nicht gering: Letztes Jahr lagen die Werbeaufwendungen real unter denen des Vorjahres – Agenturen mußten Mitarbeiter entlassen.

Die Herausforderung

Hier geht es nicht um die zwölf Irrtümer, die Jürgen Eick in seinem letzten Buch den lethargischen Zeitgenossen um die Ohren geschlagen hat.

Rekord am Rentenmarkt

Erst war es der sinkende Zins, der die Kurse deutscher Aktien in die Höhe trieb. Dann wartete alles auf grünes Licht auf der Konjunkturstraße.

Scheiche aus München

Als Ende 1973 die Scheiche am Ölhahn drehten, startete ein junger Rechtsanwalt und Vermögensberater aus München ins internationale Ölgeschäft.

Auf Busen gemalt

Firmenchefs zahlen bereitwillig 18 750 Dollar pro Jahr, um ihn einmal am Tag am Telephon zu hören. Neureiche investieren 1250 Dollar die Stunde, um sich exklusiv von ihm beraten zu lassen.

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