Schon am Dienstag dieser Woche hat die Deutsche Bank mitgeteilt, daß sie vom 9. Juni an ihre Sparzinsen um ein halbes Prozent senken wird. Alle anderen privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen werden folgen. Sparkassenpräsident Geiger wird sich über den Entschluß der Deutschen Bank freuen, denn die Sparkassen wollten nicht den Vorreiter, machen. Möglicherweise werden jetzt die unverbindlichen Zinsempfehlungen aus der Mode kommen, mit denen früher stets Zinssenkungsrunden in Gang gesetzt wurden.

Wenn die Institute den Sparern weniger Zinsen zahlen müssen, können sie auch die Zinsen herabsetzen, die sie von ihren Kreditnehmern fordern. Das wird sicher in einem nächsten Schritt geschehen. Seit der Diskont in mehreren Schritten auf viereinhalb Prozent gesenkt wurde, sind zwar die Geldmarktsätze beträchtlich zurückgegangen. Bei den Kreditzinsen war die Senkung jedoch weniger eindrucksvoll. Für Kontokorrentkredite müssen heute noch immer im Schnitt zehn bis elf Prozent bezahlt werden. Die Institute hätten jetzt Gelegenheit, der Wirtschaft entgegenzukommen. Denn die Bundesbank hat im Mai nicht nur den Diskont gesenkt; sie hat außerdem etwa zweieinhalb Milliarden Mark freigesetzt. Es wäre verwunderlich, wenn die Kreditzinsen im Juni nicht um mehr als ein halbes Prozent herabgesetzt würden.

Geiger sieht die Untergrenze für den Spareckzins bei vier Prozent, für den Kapitalmarktzins bei acht Prozent. Wo sollen die Sparer nun ihr Geld inflationssicher anlegen? Sollen sie Achtprozenter kaufen? Wenn acht Prozent die Untergrenze sind, kann der Käufer von Rentenwerten an den Fingern abzählen, daß er Kursverluste hinnehmen muß, sobald die Zinsen wieder steigen werden. R. H.