Von Rainer Köthe

Die Erfolgsmeldungen überschlagen sich förmlich. Vor ein paar Wochen erst wurde bekannt, daß es Wissenschaftlern des Los Alamos Laboratoriums in New Mexico erstmalig gelungen sei, mit Hilfe von Laserlicht bei drei verhältnismäßig leichten chemischen Elementen Isotopen zu trennen (solche Atome von anderen des gleichen Elements auszusondern, die eine bestimmte Anzahl von Neutronen im Kern besitzen). Es handelte sich dabei allerdings nur um winzige Mengen.

Dann meldeten Physiker des National Bureau of Standards in Washington, daß sie ebenfalls mit einer Laser-Methode und ebenfalls bei relativ leichten Elementen Isotopen zu trennen vermochten. Gleichzeitig kam aus der Sowjetunion die Kunde, daß dies auch dort einer Arbeitsgruppe gelungen sei.

Und jetzt konnten bei einer Tagung in Washington Physiker des Lawrence-Livermore-Labors an der Universität von Kalifornien mit der Sensation aufwarten: Sie haben mit einem Laser-Verfahren Uran-235 aus Natur-Uran abgetrennt, also Reaktorbrennstoff gewonnen.

Bis jetzt können die Forscher soviel des spaltbaren Urans vorweisen, daß damit gerade der Boden eines Reagenzglases bedeckt ist, aber Teamchef Sam Tuccio versichert: „Eine Versuchsproduktionsstätte für U-235 nach diesem Verfahren ist bereits in greifbarer Nähe.“ Immerhin haben die Wissenschaftler 0,004 Gramm des begehrten Stoffs in zwei Stunden gewonnen, das Zehnmillionenfache der Isotopenmenge, die mit Laser-Hilfe bisher aus anderen Elementen hergestellt wurde.

Sensationell ist das Resultat der Livermore-Versuche, weil die Laser-Isotopentrennung die Urananreicherung wesentlich effektiver und insbesondere wesentlich billiger ermöglicht als bisher bekannte Verfahren.

Die gegenwärtig ausschließlich angewendete Methode, mittels Gasdiffusion das kostbare Uranisotop 235 aus dem in der Natur vorkommenden Uran abzutrennen, ist kaum noch zu verbilligen. Die in Europa entwickelte Isotopentrennung mit einer Gaszentrifuge würde die Kosten für die Nuklearbrennstoffgewinnung allenfalls um etwa dreißig Prozent verringern. Das Laser-Trennverfahren aber dürfte eine Kostensenkung von 90 Prozent oder gar mehr bringen.