DIE ZEIT

Roms roter Juni

Die Bilder gleichen sich zu allen Zeiten und überall, wo Politik durch Emotionen ersetzt wird: begeisterte Massen, Fahnen, Fackeln, Freudentränen.

Lieber kurz als halblang

Ein Abhörskandal? Gewiß. Die Mitschrift des Telephonats zwischen dem CDU-Vorsitzenden Kohl und seinem Generalsekretär Biedenkopf ist authentisch.

Was ist Lüge, was ist Wahrheit?

Mit gewaltigen Worten ist letzte Woche die Opposition einem heiklen Thema zu Leibe gerückt: der Wahrheit in der Politik. Doppelzüngigkeit, Irreführung, Betrug, Lüge – so lauteten in der Aktuellen Stunde des Bundestages die Vorwürfe an die Bonner Koalitionsparteien: Sie hätten im letzten Wahlkampf den Bürgern wider besseres Wissen das Trugbild eines nahe bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwungs vorgegaukelt.

Zeitspiegel

In der Fragestunde des Bundestages wollte der CDU-Abgeordnete Rollmann wissen, ob die Zahl der aus Polen in die Bundesrepublik und in die DDR von 1971 bis 1974 ausgereisten Personen mit 60 000 tatsächlich höher sei "als die in den Verhandlungen 1970 von Bonn genannte".

Posaunen, Pop und Protestanten

War es diesmal, nach der Enttäuschung von Düsseldorf zwei Jahre zuvor, ein "großer" Kirchentag? Der amtierende Präsident, Kurt Sontheimer, im Hauptberuf Politik-Professor, war davon überzeugt, felsenfest.

Worte der Woche

"Der Politiker – speziell wohl der Außenminister – ist bei dem, was er mitzuteilen hat, in einer schwierigen Lage: Er weiß entweder mehr, als er sagen darf, oder weiß, daß das, was er sagt, eigentlich nicht das ist, was er sagen möchte, aber nicht sagen kann.

Die Union bläst zum Sammeln

In Mannheim schlägt der CDU am kommenden Wochenende die Stunde der Wahrheit. Auf dem vierten Parteitag seit dem Beginn ihrer Oppositionszeit muß sie beweisen, daß sie eine glaubwürdige politische Alternative für die sozial-liberale Koalition ist.

Aus der Mannheimer Erklärung

Zu dem Konflikt zwischen Arbeit und Kapital sind Konflikte zwischen Produzenten und Nichtproduzenten, zwischen organisierten und nichtorganisierten Sonderinteressen von Bevölkerungsgruppen, zwischen Minderheiten und der übrigen Gesellschaft, zwischen Stadt und Land und zwischen den Machtausübenden und Machunterworfenen innerhalb der organisierten autonomen Gruppen getreten.

Sturz oder Chaos?

Als Indira Gandhi vor neun Jahren an die Macht kam, stellte ihre Partei sie an die Spitze, weil sie so angenehm schwach war.

Korsettstangen für die Filipinos

Fünfzig Kilometer hinter der Hauptstadt ist nichts mehr von der Großstadthektik Manilas zu spüren. Hohe, zweirädrige Pferdekutschen machen hier den "Jeepnees", jenen aufs liebevollste dekorierten, ausrangierten amerikanischen Armeejeeps, die in den Städten das beliebteste, weil billigste und luftigste Verkehrsmittel sind, noch ernsthaft Konkurrenz.

KPD-Jubiläum: Griff ins falsche Regal

Man muß Feste feiern, wie sie fallen. Noch ehe uns die Verlegenheitsfeier des 17. Juni ins Haus stand, mußten die hauptamtlichen Festtagsschreiber des Neuen Deutschland einer anderen gesamtdeutschen Peinlichkeit gedenken: Am 11.

Dietrich Geyer: Selbstkritik eines Ordinarius

Aus Anlaß meines 25jährigen Dienstjubiläums hat mir der Herr Kultusminister kürzlich eine Urkunde überreichen lassen und dabei meiner im öffentlichen Dienst "treu geleisteten Arbeit" Dank und Anerkennung gezollt.

Mithörer für Millionen

Die Tonbandabschrift des Telephongesprächs zwischen den CDU-Politikern Kohl und Biedenkopf, die der dem kostenlos ins Haus gebracht bekam, kann den Verlag der Hamburger Illustrierten teuer zu stehen kommen.

Reformen in neuer Richtung?

Die Ziele, für die unsere Sozialreformer kämpften, um die Lage der Arbeiter zu verbessern, sind zum größten Teil erreicht: höherer Lebensstandard, Sicherung in Notlagen, genügend Freizeit.

Parlament ohne Unterbau

Einmal im Jahr sind die Bundesbonner ganz unter sich: am 17. Juni. Der politische Anstand gebietet es ihnen noch immer, jener Landsleute zu gedenken, die vor mittlerweile 22 Jahren gegen das in der DDR installierte Regime aufbegehrt haben.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: "Für einen Liberalen eine bittere Notwendigkeit"

Dieser heute weltweit verbreitete Terrorismus kann auch in freiheitlichen Staaten, wie wir sehen, da auftreten, wo in der Jugend eines Volkes revolutionäre Impulse, im Streben nach einer besseren Welt und einer menschlicheren Gesellschaft, entstehen und sich nicht rechtzeitig und zureichend in ein reformerisches Engagement innerhalb des politischen Systems umsetzen und übersetzen.

Noch keine Spur im Abhörskandal

Abgehört wurde am 3. Oktober des letzten Jahres ein. Gespräch, das CDU-Parteichef Helmut Kohl aus der Staatskanzlei in Mainz mit seinem Generalsekretär Kurt Biedenkopf im Bonner Konrad-Adenauer-Haus führte.

Wer spricht für die Studenten?

Im Lichthof der Münchner Universität ging es her wie zu Zeiten der Studentenrevolte in den sechziger Jahren: Achtzig Anhänger linker Gruppen beschimpften sich, drumherum standen Neugierige und Sympathisanten, dazwischen Vertreter des Rektorats.

Schafsgesicht mit Vogelaugen

Aus der Universitätsstadt Tübingen ist die Geschichte zweier Weingärtner ("Gogen") überliefert, die beim Anblick eines weiblichen Marmoraktes des schwäbischen Bildhauers Hermann Dannecker in ihrer Kunstbetrachtung zu dem Schluß kamen: "Da sieht man erst, was mir für a G’lomp g’heiratet hent.

Bus-Quartett

Hannovers Nahverkehrswege führen weitgehend strahlenförmig vom Zentrum fort, Peripherieverbindungen und ein Ringsystem fehlen in vielen Stadtteilen.

Butter-Krieg

In der Kieler Förde herrscht Seekriegsrecht. Seit Monaten tobt eine erbitterte "Seeschlacht" zwischen den Städten Flensburg und Kiel um das Anlegerecht von Flensburger Fähren in Kieler "Hoheitsgewässern".

So geht manche Karriere zu Ende

Mehr als die Hälfte aller Konkurs- und Vergleichsverfahren werden mangels Masse abgelehnt", schätzt Wilhelm Uhlenbrock, durch die Herstatt-Pleite bekannt gewordenen Kölner Konkursrichter.

Front gegen die Lobby

Alfred Krause, Chef des Deutschen Beamtenbundes und mit Abstand einflußreichster Lobbyist in der Bundeshauptstadt, hat festgestellt, daß "große Unruhe" ausgebrochen ist – nicht unter den Arbeitslosen und Kurzarbeitern, nicht unter krisengeplagten Unternehmern oder den vielen um ihre Existenz bangenden leitenden Angestellten, sondern bei einem Teil der Beamten.

Höhere Steuern retten uns auch nicht...

Laute Proteste, mehr oder minder entschiede-, ne Dementis, aber auch manch halbherzig gegebene Bestätigung – dies waren die Reaktionen auf Hans Apels Ankündigung im Stern-Interview, höhere Steuern seien sicher, sobald es uns wirtschaftlich besser ginge.

Zerreißprobe für Labour

Im Streit um die richtige Wirtschaftspolitik droht die Regierungspartei auseinanderzufallen

Kummer mit Korn

Die deutsche Spirituosenindustrie baute vor. Nur ein Viertel des gesamten Alkoholkonsums in der Bundesrepublik, erklärte ihr Bundesverband kürzlich, werde mit "harten Sachen" befriedigt.

Wohin, BDI?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält – wen erstaunt das – zur sozial-liberalen Bundesregierung kritische Distanz. Auf seiner Jahrestagung in München präsentierte die Verbandsspitze ein neues Selbstverständnis ihrer Organisation: sie ist selbstbewußt, aber nicht arrogant, zur Kooperation, aber nicht zur Kollaboration bereit.

Athen klopft an

Griechenland will zehntes Mitglied der Europäischen Gemeinschaft werden. Der Antrag aus Athen ist in den Hauptstädten der Europäischen Gemeinschaft (EG) aus politischen Gründen begrüßt worden.

Härtetest

Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs muß jetzt entscheiden, ob das Quintett der deutschen Aluminiumhersteller auf dem Umweg über die nach dem Kartellrecht zulässige "Ministerfusion" nicht doch enger zusammenrücken darf.

Starker Partner

Die Hauptleidtragenden der Herstatt-Affäre sind, von den unmittelbar Geschädigten abgesehen, die deutschen Privatbankiers. Der Zusammenbruch des Kölner Instituts hat das Vertrauen der Kunden zu ihnen auf eine harte Probe gestellt.

Bonner Kulisse

Daß Hans Apel kein Geld mehr in den Kassen des Bundes hat, hat sich herumgesprochen. Wie kühl er das aber seine politischen Partner und Kontrahenten wissen läßt, überrascht immer wieder.

Mit Dampf unter den Torf

Reichskanzler Hitler und Bundeskanzler Adenauer brachten die deutsche Ölindustrie auf Schwung. Der eine brauchte sie im Rahmen seiner Autarkiepläne, der andere half ihr bis 1963 mit einem Schutzzoll gegen die Konkurrenz des billigeren Importöls.

Würgeeisen für Bäcker und Metzger

Alle hielten sie geschlossen: Einzelhändler, Metzger, Bäcker, Tankstellen, Zeitungsläden, Klempner und Kneipen hatten zum landesweiten Streik aufgerufen.

Happy-End hinter der Leinwand

Man geht wieder ins Kino. Vor allem die Großstadttheater registrieren nach Jahren schrumpfender Besucherzahlen seit einiger Zeit beachtlichen Zuwachs an Zulauf.

Mit Glanz in die Pleite

Eine Stadt, die in Abfall und Dreck zu versinken droht, die Zehntausende von Angestellten entlassen muß, weil sie deren Gehälter nicht mehr bezahlen kann: Von New York ist die Rede, einer Stadt, die Lehrer, Universitätsdozenten, Müllkutscher, Feuerwehrleute und Polizisten feuert, um dem finanziellen Kollaps zu entgehen.

Ihr Geld von A bis Z

Er gilt als Deutschlands "Gold-Guru", einer, der sich stark macht für alles, was glänzt – Gold, Silber, Platin –, der keine Gelegenheit ausläßt, sein Dogma zu predigen: "Gold schlägt Geld" (so der Titel seines ersten Buches).

Die vorgetäuschte Sicherheit

Auch Rechtsanwälte und Notare können nicht immer vor Zweckentfremdung anvertrauten Kapitals Schützen

In die Tiefe gezogen

Schneegänse statt Frühlingsschwalben" erblickte Eric Fintelmann, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften an der Börse, und meint, man müsse wohl noch einige Monate warten, bis sich der Aktienmarkt auf ein festes Fundament stützen kann und ein neuer Aufschwung einsetzt.

Frankreich: Zahlen, die keiner gern nennt

Ganz Frankreich starre gebannt auf drei Zahlen: Seit es mit der Konjunktur bergab geht, sind Inflationsrate, Arbeitslosenquote und Außenhandelsergebnis zu Informationen geworden, vor denen die Politiker zittern.

Gleichheit

Ausgerechnet im Jahr der Frau brach ein amerikanischer Richter eine Lanze für die Gleichberechtigung des Mannes. Er machte der amerikanischen Fluggesellschaft Continental Airlines zur Auflage, die Hälfte der freien Jobs für Flugbegleiter künftig mit Männern zu besetzen, Derzeit sind nur acht Prozent der Flugbegleiter bei Continental männlich.

"Golf" im Rückwärtsgang

Das Ausmaß hat in Wolfsburg überrascht, nicht aber die Tatsache: In den USA hat der dort als"rabbit" (Kaninchen) verkaufte VW-Golf nach seinem überzeugenden Start zu Beginn dieses Jahres den ersten großen Verkaufsrückschlag erlitten.

Die Riesen lahmen

Der Chef des größten deutschen Chemiekonzerns gab Vorwarnung. "Der Konjunktureinbruch", so ließ Professor Matthias Seefelder am vergangenen Freitag die Mitarbeiter des BASF-Werkes Ludwigshafen wissen, "hat mehr oder weniger stark alle Arbeitsgebiete des Unternehmens getroffen.

Die mageren Jahre

Die Politiker in den westlichen Industrieländern warten auf die konjunkturelle Belebung. Sie hoffen, daß die Konsumenten nicht sparen, sondern kaufen, daß die Unternehmer Geld für Maschinen und andere Investitionsgüter ausgeben und daß der Außenhandel wieder in Schwung kommt.

Monopol der Genossen

Kurioser geht’s nicht mehr. In Paris erschien keine Tageszeitung mit Ausnahme des Boulevardblattes Parisien Libéré. Es wurde an den Kiosken angeboten, obwohl die Gewerkschaften mobil gemacht hatten, um ihre streikenden Kameraden vom Parisien zu unterstützen.

Amerika in der Prüfung

Es gehört zum Charme und zum Risiko der Schriftstellern, daß Bücher mitunter Qualitäten gewinnen, nach denen dem Autor beim Schreiben vielleicht nicht der Sinn stand.

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