Von Wilhelm Hankel

In Washingtons schwülem Sommer wirtschaftlichen Mißvergnügens reifen Pläne, die den Europäern auf den anstehenden Konferenzen über Sicherheits-, Rohstoff-, Energie- und Währungsfragen einigen Stoff zum Nachdenken geben werden. Unter den politischen Führern beider Häuser und Parteien wächst die Einsicht, daß nicht mehr die Außen-, sondern die lange vernachlässigte Wirtschaftspolitik über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte das Schicksal der Nation bestimmen wird. Anders als in Europa weiß das auch die Opposition, die darum gar nicht erst versucht, die Regierung auf der Sparflamme einer heimlich unterstützten Krise weichzukochen. Der Regierung sollen schon im Herbst neue Instrumente und Techniken wirtschaftspolitischer Planung zur Verfügung stehen. Die Senatoren Humphrey (Demokrat) und Javits (Republikaner) wollen in einem gemeinsamen Gesetzentwurf die unerläßlichen Ankurbelungs-, Umstrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen einem neu zu schaffenden Economic Planning Board übertragen.

An ihrem 200. Geburtstag kehren die USA zwar nicht in ihre eigenen vier Wände zurück. Doch ihre Führer haben begriffen, daß sie jetzt erst das eigene Haus in Ordnung bringen müssen, ehe sie – wie gewohnt – den Nachbarn Ratschläge über den Gartenzaun erteilen können. Denn inzwischen steht fest:

1. Die schwere Wirtschaftsdepression verfliegt nicht von selber.

2. Der „freie Fall“ des Dollars kann nicht mehr endlos fortgesetzt werden, auch wenn die Verantwortlichen das Gegenteil versichern.

3. Der US-Finanzföderalismus, den Tocqueville vor 130 Jahren seinen Landsleuten als das wirtschaftliche Rückgrat der Gewaltenteilung erläuterte, muß neu geordnet, vor allem aber gestärkt werden – sollen nicht alle Stabilisierungsprogramme von oben durch die leeren Kassen unten durchkreuzt werden.

4. Die Perhorreszierung der Macht und des Einflusses der nationalen und multinationalen US-Wirtschaftsgiganten muß einer nüchternen Betrachtung weichen.