Sie sei jung und habe andere Bedürfnisse, als nur zu kochen und im Haus zu arbeiten, sagt die Frau zu ihrem Mann. „Ich brauche dich und deine Zärtlichkeit. Seit Monaten rührst du mich nicht an, abends schläfst du sofort ein!“ Etwas später deklamiert ein eitler Abgeordneter über die notwendige ökonomische Befreiung der Frau, die Tyrannei und den Kolonialismus der Männer – zu Hause läßt er sich dann bedienen und schnauzt Frau und Töchterchen an. Das sind nicht Szenen eines europäischen Ehefilms, sondern sie spielen unter Schwarzen in Dakar, in dem senegalesischen Film „Kaktus“.

Drei Mädchen widersetzen sich erfolgreich der Tradition ihres Dorfes, sich früh und willenlos verheiraten zu lassen; eine Frau und ein junges Mädchen ermutigen sich gegenseitig, gegen die Erwartungen ihrer Umgebung aufzubegehren und ihren eigenen Anspruch durchzusetzen: die Dokumentation „Ein ungarisches Dorf 1972–73“ und der Spielfilm „Die Adoption“ aus Ungarn. Eine alte, verarmte Frau erzählt einer jungen Journalistin die Geschichte ihres Lebens, wie sie als armes Mädchen verkauft und bis ins Alter zur Hurerei gezwungen wurde: „Sandakan, Haus Nr. 8“ aus Japan.

Frauenschicksale, Emanzipationsfragen, Einstellungen zur Mutterschaft, Feminismus und Chauvinismus, Probleme grüner Witwen und alleinstehender Greisinnen: Filme über Frauen (und meist auch von Frauen gemacht) waren schon in der letzten Woche des Filmfestivals von Cannes beherrschend und blieben es nun bei der 25. Berlinale. Von der etwas verkniffenen, verbiesterten westdeutschen Emanzipations-Militanz bis zum pathetischen Faust- und Fahnenschütteln geschlechtsloser Wesen auf hoher Spitze in chinesischen Revolutionsballetten demonstriert das internationale Kino das Ende weiblicher Bescheidenheit und sagt nicht nur der Frauenfeindlichkeit kommerzieller Filme (Robert Redford und Paul Newman: das erfolgreichste Paar der Saison) den Kampf an, sondern ebenso dem patriarchalischen Sexismus traditioneller Liebesgeschichten und auch den letztlich affirmativen Ehefilmen.

Weniger der Clinch zu Hause, der Kampf der Geschlechter steht im Mittelpunkt der neuen Frauenfilme, sondern Frauen selber, die vor und die hinter der Kamera: eine Männern oft schwer verständliche, bewußt weibliche Perspektive, ein neues feminines Selbstverständnis. Das kann sich inbrünstig und mystisch artikulieren (wie in Ingemo Engströms „Kampf um ein Kind“, an dem Karin Struck ihre Freude hätte), ästhetisch diszipliniert in neuen Filmformen oder auch ganz aggressiv. Zitat aus einem Berliner Flugblatt: „Wir fordern Geschlechterparität in allen Auswahlgremien ... Filme, die die materielle und sexuelle Ausbeutung der Frau aufzeigen und ihren Befreiungskampf unterstützen ... (Aufklärung) über das sexistische Frauenbild im sogenannten linken oder progressiven Film.“

„Nehmen Sie es wie ein Mann, Madame!“ ist seit Wochen ein Kassenerfolg in Kopenhagen. Das Produktionskollektiv nennt sich „Rote Schwester“. Eine grüne Witwe, 50, kontaktlos, schon neurotisch den täglichen Verrichtungen im Zwinger ihrer Wohnung verhaftet, flüchtet zum Alkohol und in einen Alptraum, worin die Frauen die Chefs sind, den Männern Briefe diktieren, den Po tätscheln und sie einkaufen, kochen, sich schön machen oder strippen lassen. Nach dieser Schreckensvision redet die Frau endlich mit ihrem stoffeligen Mann, belegt einen Bürokurs und nimmt einen Job an.

Der Film scheitert in dem Versuch, betont eingängig zu sein. Er funktioniert zwar in treffenden kleinen Beobachtungen und Details (Frage an einen Minister, ob er sich mehr als Mann oder mehr als Politiker fühle); aber die bloße Abbildung der trostlosen Realität eines Hausfrauendaseins, das Zusammentragen aller denkbaren Klischees, auch ihre satirische Umkehrung in der Traumsequenz, erbringt nichts als die Verdoppelung von Klischees und den folgenlosen Ana-Effekt: Ja, so ist es. Genügt das?

Genügt es, wenn Krzysztof Zanussi in der „Bilanz einer Vierzigjährigen“ seine sympathische Heldin ihren Alltagstrott von Haushalt, Mann, Kind und Büro erst verlassen und sie dann verwirrt zurückkehren läßt, weil sie zufällig ihren Freund nicht finden konnte? Ihre vagen Ausbruchsversuche (Segeln, ein Skikurs, Beatlokale) zeigt Zanussi als kitschige Illustriertenwelt im Lelouch-Touch; er denunziert also die Freiheit, von der diese Frau spricht, die Alternative zu ihrem bisherigen Leben von vornherein als dümmlichen Lieschen-Müller-Traum.