Hervorragend:

„Das Fleisch der Orchidee“ von Patrice Chéreau. Nie wird es hell, selten hört es auf zu regnen in diesem schwarzen Melodram nach dem Roman „The Flesh of the Orchid“ von James Hadley Chase. Ein Klima totaler Absurdität bestimmt die mysteriösen Aktionen, die einer beklemmenden Klimax zutreiben. Charlotte Rampling irrt durch einen klaustrophobischen Alptraum, auf der Flucht vor einer schrecklichen Vergangenheit, gezeichnet bereits von einer mörderischen Zukunft. In seinem ersten Film entwirft der junge Pariser Theaterregisseur Patrice Chéreau ein atmosphärisch ungemein dichtes Universum aus Nacht und Wahnsinn. Eindrucksvoller noch als Robert Aldrich in seiner meisterlichen Chase-Verfilmung „Die Grissom Bande“ (nach dem Roman „No Orchids for Miss Blandish“) verbindet er die brillant kalkulierte Künstlichkeit der Inszenierung – exquisit morbide Farben, ausgesucht trostlose Schauplätze – mit einem feinen Gespür für die klassische Zwangsläufigkeit, mit der die Tragödie ihren Lauf nimmt.

Sehenswert:

„Phantom im Paradies“ von Brian de Palma. Faust und Frankenstein, der Glöckner von Notre Dame und der Graf von Monte Christo, Dorian Gray und das Phantom der Oper: sie alle kommen, mehr oder weniger parodiert, travestiert und ironisiert, in diesem waghalsig erfindungsreichen Film vor, den der Regisseur eine „Horror-Rock-Musical Comedy“ nennt. Aus ehrwürdigen Versatzstücken diverser filmischer und literarischer Genres montiert de Palma eine satirische Attacke gegen gewisse Auswüchse des Geschäfts mit der Pop-Musik. Die Handlung spielt im „Paradise“, einem gigantischen Rock-Palast, dessen Besitzer mit dem Leibhaftigen im Bunde ist. In diesem Paradies aus Plastik haust auch ein maskierter Sonderling: das Phantom, ein genialer Komponist mit gräßlich verunstalteten Zügen, der nun auf Rache sinnt Brian de Palma, mit Filmen wie „Hi, Mom“ und „Sisters“ einer der bemerkenswertesten Cineasten des neuen Hollywood, liefert ein mit originellen Einfällen manchmal sogar überreich gespicktes Porträt einer kaputten Szene, karikiert treffend die grellen Manierismen der Superstars à la Alice Cooper ebenso wie die hysterischen Exaltationen der jugendlichen Fans.

Beachtlich:

„Das Andechser Gefühl“ von Herbert Achternbusch. Dumpf sitzt eine Gemeinde von Trinkern im Biergarten. Der Dorfschullehrer verschluckt seine Taschenuhr und träumt von einem blonden Filmstar, der dann auch prompt auftritt. Die melancholische Romanze des von Prüfungsängsten geplagten Schulmeisters mit dem Fabelwesen aus einer anderen Welt endet tödlich, das Andechser Gefühl erweist sich als erstickende Vision der bayerischen Provinz, in der selbst der Rückzug auf schöne Kinoträume kein Ausweg ist. Achternbusch, der am Leben leidet und deshalb lieber in Filmen lebt, spielt selbst die Hauptrolle in seinem ersten, billig im 16-mm-Format gedrehten Film: wortkarg und schwermütig, versponnen und verdrossen. Nördlich der Main-Linie dürfte dieses Andechser Gefühl“, absichtsvoll einfach, mitunter auch quälend steif inszeniert, allerdings kaum voll verständlich sein.

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