Als Günter A. Wagner vor fünf Jahren mit dem Ersparten gutgläubiger Bundesbürger groß in die Computerproduktion einstieg, war der promovierte Diplomingenieur zwar erst 35 Jahre alt, aber bereits ein erprobter Finanzjongleur.

Der exzellente Elektronikfachmann hatte 1963, an seinem 29. Geburtstag, mit nur 6000 Mark Eigenkapital und 5000 Mark Kredit die Wagner Digital Elektronik GmbH gegründet. Als Günter Wagner sechs Jahre später sein Unternehmen, das inzwischen acht Millionen Jahresumsatz hatte, an die AEG-Tochtergesellschaft Hartmann & Braun verkaufte, kassierte er dafür fast drei Millionen Mark.

Nach diesem gelungenen Start gab es für den expansionsbesessenen Unternehmer kein Halten mehr. Den Erlös aus dem Firmenverkauf steckte der Elektroniker Wagner in die Entwicklung eines Computers der Größenklasse "Mittlere Datentechnik". Und weil dann das Geld nicht mehr reichte, den zur Produktionsreife gediehenen Buchungscomputer WAC 40 auch zu bauen, entwickelte das Finanzgenie Wagner zur gleichen Zeit mehrere, in Berlin domizilierende Abschreibungsgesellschaften: 2800 vertrauensvolle Rechtsanwälte und Ärzte, Steuerberater und Apotheker zeichneten insgesamt 130 Millionen Mark Kommanditsteuermildernde Verlustzuweisungen nach dem Berlinhilfegesetz.

Doch statt Computer zu bauen, knüpfte Wagner vorzugsweise an einem Konzerngeflecht, das zeitweilig aus mehr als drei Dutzend Firmen bestand und das deshalb auch Insider nicht mehr überblicken konnten. Wagner erwarb unter anderem das mumifizierte, jedoch immer noch börsennotierte ehemalige Kolonialunternehmen Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft. Aber der Versuch, über die Börse mit jungen Kamerun-Aktien zu Geld zu kommen, schlug fehl: Statt dessen kaufte sich bei der Eisenbahn-Gesellschaft die Kämmerei Döhren ein. Umgekehrt konnte Wagner 42 Millionen Mark für drei Viertel des Kapitals der Kämmerei Döhren erübrigen.

Wozu das verzwickte Firmennetz gut sein sollte, blieb nicht lange verborgen: Mit Scheingeschäften und fingierten Rechnungen, getätigt und ausgestellt von den nur ihm selbst gehörenden Firmen, ließ Günter Wagner – so der dringende Verdacht – das in den Kommanditgesellschaften gespeicherte Geld verschwinden. Selbst um ihre Verlustzuweisungen müssen die Wagner-Kommanditisten inzwischen bangen.

Günter Wagner sitzt seit Aschermittwoch wegen des Verdachts der Untreue, des Betrugs und der Steuerhinterziehung im Berliner Untersuchungsgefängnis Moabit. Von den 130 Millionen Mark Kommanditeinlagen und den über 50 Millionen Mark, die aus der Aktienübernahme und aus Darlehen von der Kämmerei Döhren kamen, ist heute in der Wagner-Gruppe fast nichts mehr zu finden.