Politik

Worte der Woche

"Ich muß Löwenthal ertragen, auch wenn ich ihn zum Kotzen finde, und der Konservative muß Merseburge

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DIE ZEIT

Viele Rezepte, noch kein Konzept

Auch uns bleibt nicht erspart, was rund herum alle Industriestaaten des Westens beutelt. Aber herrschte bisher der Eindruck vor, wir seien vorwiegend das späte Opfer einer weltweiten Wirtschaftskrise und hätten bloß eine erträgliche Wartefrist zurückgesteckter Ansprüche und bescheidener Erwartungen durchzustehen, so läßt sich heute, nach dem Bonner Offenbarungseid, solcher Optimismus nicht mehr aufrecht erhalten.

Kricket-Drama

Da wurde in Leeds ein Sportplatz unbrauchbar gemacht von Leuten, die sich dem Kampf für einen möglicherweise zu Unrecht im Gefängnis sitzenden Taxifahrer verschrieben haben.

Tod den Tyrannen?

Es gibt in der politischen Philosophie keine schwierigere Frage, in der politischen Praxis keine schwierigere Entscheidung als jene, was höher zu stellen sei: der innere Frieden eines Gemeinwesens oder der Vollzug der Gerechtigkeit.

Bremer Affäre

Noch klingen einem die scharfen Anklagen der CDU in den Ohren: Eine "grobe Mißachtung der grundgesetzlich geschützten Würdeanderer Menschen", empörte sich die Union, als der Stern die Mitschrift eines Telephongesprächs zwischen Kohl und Biedenkopf veröffentlichte.

"...euer Blut mit Strohhalmen trinken"

Die Folter wurde von Mal zu Mal gesteigert. Zuerst schlugen sie auf mich ein, dann drückten sie mir brennende Zigaretten auf die Haut, dann wandten sie die ‚Falanga‘ an: Sie schlugen so lange mit einer Eisenstange auf meine Fußsohlen, bis sie angeschwollen waren; schließlich führten sie eine glühende Nadel in die Harnröhre.

Die Lady, die nicht lügen kann

Als Gerald Ford im vergangenen Sommer unverhofft in das höchste Amt der Vereinigten Staaten katapultiert wurde, stellte er seiner Frau gegenüber klar: "Du bist für den Ostflügel verantwortlich, ich für den Westflügel.

Zeitspiegel

Die derzeitigen Probleme der Bonner Wirtschaftspolitik sind schwieriger als zu Adenauers Wohlstandszeiten. In Bonn kursiert in diesen turbulenten Tagen ein Schreiben des ersten Bundeskanzlers an seinen damaligen Wirtschaftsminister, der Adenauers ökonomisches Verständnis und seine Richtlinienpolitik beleuchtet: "Sehr geehrter Herr Erhard! Gestern war ich auf einem Presse-Tee.

Seiltanz über dem Sinai

Um eines braucht sich Henry Kissinger kaum Gedanken zu machen: daß Israels Oberrabbinat dem Ersuchen der "Präsidentenkonferenz der jüdischen Aktivisten Amerikas" stattgibt und ihn wegen Verbrechen gegen das "physische oder geistige Überleben des jüdischen Volkes" exkommuniziert.

Rattern in die roten Zahlen

Mit auffälliger Regelmäßigkeit veröffentlichen die Zeitungen in der DDR zur Zeit alarmierende Meldungen: "S-Bahn-Fahrkartenschalter in West-Berlin demoliert", "S-Bahn-Züge in West-Berlin wurden mit Steinen beworfen" oder "Weitere Anschläge auf den S-Bahn-Verkehr in West-Berlin".

Krieg im Glaspalast?

Im vorigen Jahr, auf der 6. UN-Sondervollversammlung, haben die Länder der Dritten Welt die Industriestaaten, die noch unter dem Schock der Ölkrise standen, mit ihren Forderungen überfahren.

Panzer gegen Kernwaffen

Seit Oktober 1973 verhandeln Ost und West über einen Truppenabbau der beiden Bündnisse in der Mitte Europas (MBFR). Bislang haben die Verhandlungen keinen Fortschritt gebracht.

Korn für die Russen...

Ob man mit Amerikas Landwirtschaftsminister Earl Butz euphorisch vom "guten Geschäft" oder mit Gewerkschaftsboß George Meany rüde vom "großen Raubzug" sprechen will – das Besondere am immer nervöser werdenden Streit der Amerikaner um den Getreidehandel mit der Sowjetunion besteht darin, daß beide ein Stück weit recht haben.

Psychoterror

Mit dem bisher angewandten psychologischen Terror werden die weniger informierten Soldaten eingeschüchtert, sie wagen es nicht, mehr, Fehler anzuprangern.

Panik in Angola

Offiziell will die portugiesische Regierung erst in über zwei Monaten die Regierungsgewalt in ihrer. Kolonie Angola abtreten.

Timor-Krise

Zweimal in der Woche bemühte der portugiesische Außenminister Mario Ruivo die Vereinten Nationen, da die Kolonialverwaltung in Timor nicht mehr Herr der Lage ist.

Absage an die Ausbeutung

Die Erfolglosigkeit von vier provisorischen Regierungen geht nicht nur aufs rächen des Dirigismus, den die Kommunistische Partei einzuführen versuchte, indem sie sich in den Staatsapparat und in die sozialen Körperschaften einschlich.

Vom Leerlauf auf hohe Touren

Fast über Nacht hat die Bonner Maschinerie von Ferien-Leerlauf auf Hochtouren umschalten müssen. Es scheint, als stünden die Staatsfinanzen kurz vor dem Zusammenbruch.

Stunde der Entscheidung

Neun "gemäßigte" Offiziere und Mitglieder des Revolutionsrates, an ihrer Spitze der frühere Außenminister, Major Melo Antunes, plädieren für Sozialismus und Freiheit: Mit den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung ist die Hinwendung zum Sozialismus unumkehrbar geworden.

Portugal vor Bürgerkrieg?

Mittwoch, 20. August: Staatspräsident Costa Gomes erklärt, die Lebensdauer der Regierung Gonçalves bemesse sich "nach Tagen".

Ein Unfall, keine Tragödie

Der Fall Günter Karl Heinz Guillaume wirft zwei verschiedene Fragen auf. Die erster Wie konnte der Spion aus Ostberlin ins Schaltzentrum der Bonner Politik gelangen? Die zweite: Welche Pannen und Betriebsunfälle gab es nach seiner Enttarnung? In der Antwort auf diese beiden Fragen liegt auch die Auskunft, wie Schuld und Verantwortung sich teilen.

"Große Schweine"

S.: "Wenn Koschnick jetzt sagt, alles Quatsch, ist Lüge, es existiert überhaupt nie so’n Band, es hat auch nie eines gegeben, bin ich natürlich in der blöden Situation, daß ich sagen muß, wo liegt das Band und dann muß das wird er als erstes mal durchchecken, Band praktisch auf den Tisch.

Bocks Bombe

Enthüllungen waren angekündigt. Es wurde ein Satyrspiel mit ungewissem Ausgang. "Der Polizeipräsident fällt über ein Tonband", schrieb die Stuttgarter Zeitung; für die Frankfurter Rundschau war es die "grausame Hinrichtung des Bremer Polizeipräsidenten".

Ruf der Basis

Die Feier soll super werden. Mindestens 1500 Gäste werden am Vormittag des 14. September, wenige Stunden nach dem Ende des CSU-Parteitages, eine einzige Hand zum Glückwunsch drücken: die des CSU-Chefs Franz Josef Strauß.

Berlin schrumpft

In Berlin geben, trotz der noch nicht ganz beendeten Sommerpause, die Wellen hoch. Koalition und Opposition befehden sich wegen eines Gutachtens über die Bevölkerungsentwicklung, das für West-Berlin bis 1990 eine Einwohnerzahl von 1,75 Millionen und mithin einen Bevölkerungsschwund von fast 400 000 Menschen prophezeit.

Traumtore nach Plan

Hennes Weisweiler, der nach Barcelona gewechselte ehemalige Erfolgstrainer von Borussia Mönchengladbach, hatte seinem Nachfolger Udo Lattek, bei Bayern München gefeuert, in Mönchengladbach schon wieder gefeiert, die Prognose für die 13.

Jetzt ist Eile geboten

Mit dem gezielten Fünf-Milliarden-Mark-Programm zur Stützung der Bauindustrie kann die Bundesregierung nicht viel falsch machen.

Der zweite Offenbarungseid

Genau neun Monate mußte sich Franz Josef Strauß gedulden, dann ging sein Wunsch in Erfüllung: "Wir müssen sie so weit treiben, daß sie ein Haushaltssicherungsgesetz vorlegen müssen oder den Staatsbankrott erklären müssen oder drastische Steuererhöhungen mit abermals einschneidenden negativen Folgen für die Wirtschaft", hatte der CSU-Chef am 19.

Ein Loch von vierzig Milliarden

Den Weg, den das Unheil nahm, glauben die "Fünf Weisen" entdeckt zu haben: Die Rezession kam von draußen rein. Daß aber von da auch rasche Impulse für den Aufschwung kämen, glauben die fünf Mitglieder des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" nicht.

Bonner Kulisse

Hans – Georg Schachtschabel, der SPD-Wirtschaftler aus Mannheim, reiht sich gleichfalls in die Liste der neuen Sparkommissare ein.

500 Mark

Die seit einigen Monaten wieder ernsthaft debattierte Einführung einer Selbstbeteiligung in der gesetzlichen Krankenversicherung ist zu einem Streitpunkt erster Ordnung geworden.

Konsequenz

Nachrichten, die aus Wolfsburg kommen, können banal und ungewöhnlich, tröstlich und problematisch zugleich sein. Ein prächtiges Beispiel: Das Volkswagenwerk fährt Sonderschichten, um mit der Nachfrage zumindest einigermaßen Schritt zu halten.

Und Rittler ist immer dabei

München hat eine neue Bankaffäre. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen mußte die Handelsfinanz-Bank GmbH schließen: Eine Sonderprüfung brachte Falschbuchungen und Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsleitung ans Licht; verschleierte Großkredite hatten bei der Münchner Teilzahlungsbank Wertberichtigungen notwendig gemacht, die das haftende Eigenkapital überstiegen.

Roulette für Hanseaten

Wo die Kugel rollen wird, weiß man noch nicht. Daß sie rollen wird, gilt als sicher, Hamburgs Parlamentarier werden sich kaum ihrem Senat versagen und die lukrative Geldquelle dem notleidenden Stadtsäckel verschließen.

Ist Wohlstand Diebstahl?

ZEIT: Herr Wischnewski, eine Gruppe von Entwicklungsländern, deren Wortführer Algerien ist, fordert eine radikale Umverteilung des Wohlstands auf der Welt.

Spekulanten auf der Flucht nach vorn

Der desolate Zustand der Staatsfinanzen hat auch die Stimmung am Aktienmarkt in Mitleidenschaft gezogen. "Cash", also Bargeld, beginnt wieder modern zu werden.

Öffentlicher Run auf bares Geld

Der Wettbewerb um die noch zur Verfügung stehenden Kapitalmarktmittel ist voll entbrannt. Der Bund, die Länder und Kommunen kassieren, wo sie noch können.

Falsch programmiert

Sperner: Mir gefällt daran nicht, daß die Mittel in einer Richtung gegeben werden, in der sie nicht aktiv wirken können. Natürlich begrüßen wir das Altbausanierungsprogramm, aber das wirkt nicht von heute auf morgen.

Beamte entlassen?

Die Formel, die Innenminister Werner Maihofer im Gespräch mit Funktionären der Beamten-Organisationen fand, besagte alles oder nichts: Bei der Lösung aktueller Probleme des öffentlichen Dienstes soll nach gleichen Maßstäben und in gleichem.

Wellenbad der Wirtschaft

Immer wieder versuchen Wirtschaftswissenschaftler, aus dem Auf und Ab des Wirtschaftsgeschehens Gesetzmäßigkeiten abzulesen und danach Rezepte für eine gleichmäßige Steuerung der Konjunktur zu verschreiben – bislang offenbar vergeblich.

Konjunkturprogramme für Europa

Frankreich, das in der Bekämpfung seiner Inflation einigen Erfolg hatte – Paris drückte die Inflationsrate von sechzehn auf zehn Prozent herunter –, hat jetzt eine ganze Palette von Förderungsmaßnahmen vorgesehen.

Auto-Seller

Der deutsche Automarkt hat im Juli einen nachhaltigen Beweis für seine gute Verfassung geliefert. Zwar wurden reichlich 10 Prozent weniger Personenwagen und Kom- bis gekauft als im Vornonat; das Sommerloch war jedoch wesentlich flacher als auch in guten Jahren.

Forscher zu verkaufen

Über zehn Jahre lang forschten die rund 120 Mitarbeiter nach dem Zusammenhang zwischen Zigarettenrauchen und der Erkrankung der Atemwege.

Umstritten bleibt der Wechselkurs

Bundesfinanzminister Hans Apel hat in Venedig sein Ziel erreicht. Es gelang ihm, das Problempaket – die Neuverteilung der Quoten im Weltwährungsfonds, die Frage des Währungsgoldes und die Wechselkursfrage – aufzuschnüren.

Der Mann, der alles besser weiß

Seine Arbeitslosigkeit währte achtzehn Tage. Ende, Juli schied Walter Cipa aus dem Vorstand der Essener Gelsenberg AG, am Dienstag vergangener Woche wurde er auf der Hauptversammlung Von AEG-Telefunken in Berlin den staunenden, Aktionären als neuer stellvertretender AEG-Vorstandschef präsentiert.

Wehleidige Zahlmeister

Seit Monaten lassen die Barmbeker Jungs keine Gelegenheit aus, um über Brüssel zu schimpfen. Abwechselnd versuchen der Kanzler und sein Finanzminister den Deutschen einzureden, sie seien die Zahlmeister Europas und sollten dies nun nicht länger sein.

Konfetti für die Staatsbetriebe

Premierminister Harold Wilson blätterte im nationalen Sündenregister, als er in seinem Fernsehappell mitten in der Urlaubszeit die Briten aufforderte, künftig für weniger Reallohn härter und produktiver zu arbeiten, um auf diese Weise die Inflation und damit auch die Rezession zu überwinden.

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