Die schwedische Firma Ikea propagiert in der Bundesrepublik Cash & Carry-Möbel

Der Deutschen Vorliebe für skandinavische Hölzer und ihre Bastlerfreude, die von der flauen Wirtschaftslage noch kräftig gefördert wird, sind die besten Verbündeten des schwedischen Möbelhändlers Ingvar Kamprad. Während deutsche Einrichtungshäuser über stagnierenden Absatz klagen, stürzt Kamprad sich ins Abenteuer neuer Investitionen: Mit seinen Ikea-Möbelhäusern hofft er in Deutschland auf das große Geschäft.

An Erfolg ist Kamprad gewöhnt, seit er im Möbelgeschäft praktiziert, was sich auf Supermärkten bewährt: das System Cash and Carry – bezahlen und mitnehmen. Seine Karriere als Möbelhändler begann der Schwede vor 25 Jahren auf einem bescheidenen, aber eigenen Lagerraum von einem Quadratmeter Fläche. Konsequent hielt er an seinem Prinzip fest, nach dem gekaufte Lager- und Verkaufsfläche auf Dauer billiger ist als gemietete. Inzwischen verfügt Kamprad über 330 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, sechs große Einrichtungshäuser in Schweden, sechs weitere in anderen europäischen Ländern. In der Bundesrepublik verkaufen derzeit drei Ikea-Häuser; sechs weitere mit jeweils rund 20000 Quadratmetern Verkaufsfläche in sechs Großstädten sind geplant.

Bekannt wurde Ikea in der Bundesrepublik vornehmlich durch seine Werbung. In ganzseitigen Anzeigen machte das Unternehmen auf sich als „das unmögliche Möbelhaus aus Schweden“ aufmerksam, warb mit Slogans wie „Jung ist für uns jeder“ oder mit Sprüchen wie „Wir treiben’s bunt mit hellem Holz“. Wen die Neugier zu Ikea trieb, der fand zumeist Gefallen an dem Sparprogramm für Möbel.

Denn niedrige Preise für seine Möbel, die vom Design her meist ausgereift sind, wie auch der Umstand, daß die Kunden das gekaufte Mobiliar gleich mitnehmen können, waren von Anfang an für Kamprads deutsche Geschäfte sehr vorteilhaft. Im ersten deutschen Ikea-Haus in Eching bei München, nur 9000 Quadratmeter groß, machten die „unmöglichen“ Händler schon im ersten Geschäftsjahr (August 1974 bis August 1975) rund fünfzig Millionen Mark Umsatz – knapp zehn Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Und trotz allgemeiner Branchenstagnation steigerte Ikea insgesamt im vergangenen Jahr seinen Erlös um zwanzig Prozent.

Den schnellen Erfolg in Deutschland und den Wachstumsvorsprung vor der Konkurrenz erklärt Ikea-Europa-Chef Jan Aulin damit, „daß die Deutschen den Trend zum zerlegbaren Möbel verschlafen haben“. Das freilich stimmt nicht ganz, denn zerlegbare Möbel führen deutsche Händler seit vielen Jahren. Ikeas Wettbewerbsvorsprung entstand vielmehr dadurch, daß Kamprad die Grundidee – bezahlen und mitnehmen – in großem Stil auf das komplette Wohngeschäft (15 000 Artikel) anwandte. Selbstbedienung, Selbstmontage, Selbsttransport und Bezahlung in bar sparen dem Unternehmen Kosten, die es an seine Kunden mit niedrigen Preisen weitergeben kann. Ein herkömmliches Möbelunternehmen von der Größe Ikeas braucht rund 9000 Mitarbeiter. Die Schweden schaffen es bei ihrem System mit 2200. Kamprad: „Billige Qualitätsmöbel zu machen, ist keine Kunst, nur eine Rechenaufgabe.“

Deutsche Möbelhändler bestreiten nicht, daß Kamprad rechnet. Er rechnet ihnen sogar zu gut. Beim Verband der deutschen Möbelindustrie in Frankfurt geht der Verdacht um, Ikea verkaufe zu Dumpingpreisen. Doch Verbandsmann Wolfhörst Wehr muß bekennen: „Nachweisen können wir das nicht.“