Großbritanniens Linke leben in der Krise von der Hoffnung auf das Paradies

Von Kail-Heinz Wocker

Blackpool, im September

Blackpool, der „Schwarze Tümpel“ an der britischen Nordwestküste, ist kein sehr inspirierender Ort. Seit die Ehefrauen der Delegierten von Labour und Konservativen es durchgesetzt haben, dort ein paar Tage Strandpromenade, Kitschilluminationen und billiges Pensionsessen zu erleben, während die Männer diskutieren, wagt keine Parteiführung mehr, zivilisierte Orte wie London oder Birmingham vorzuschlagen. Angeblich gibt es dort keine geeigneten Tagungslokale oder zuwenig Hotelbetten der unteren Mittelklasse.

Doch Parteien leben eben von den Illusionen, die sie selbst geschaffen haben. Eine von ihnen lautet bei Labour: „Es liegt ganz an uns, wie rasch der Sozialismus kommt; wir können zwar nicht das Datum nennen, an dem er da ist, aber wir bestimmen das Marschtempo.“ Das bestimmt die Partei nun seit dem Beginn des Jahrhunderts, mit dem sie gleichaltrig ist. Revolutionen sollen keine stattfinden, sie werden als unbritisch abgelehnt. „Aber Stillstand wäre Rückschritt, und irgendwann, Genossen“, rief das neue Vorstandsmitglied Eric Heffer, „muß man anfangen, ernst zu machen.“

Aus für Denis Healey

347 000 Stimmen bekam Heffer, noch ehe er seine Rede gehalten hatte. Vorstandswahlen erledigt die Labour Party immer gleich am ersten Tage, dann hat man das hinter sich, unbeeinflußt durch Druck von oben oder Zweifel an der Richtigkeit der Einwände, die man ein Jahr lang gegen den oder jenen genährt und großgezogen hat. Wäre erst am zweiten Tage gewählt worden, wer weiß, ob Eric Heffer, der abtrünnige Exminister von links, den amtierenden Finanzminister Denis Healey hätte auspunkten können. So aber fanden sich nur 249 000 Stimmen für den Mann, der seit achtzehn Monaten die Staatskasse durch Stürme führt, von denen sich die Delegierten nichts träumen lassen. Healey mußte sich in der Sektion Ortsverbände bewerben, die sieben Mitglieder des Vorstands stellt. Diese sieben stehen seit seinem Ausscheiden nun allesamt links. Das rechte Kontingent der Labourspitze kommt aus den Reihen einiger Gewerkschaften.