Von Ludwig Maaßen

München

Sie sehen so wenig vertrauenerweckend wie Revolverhelden in einem Film aus. Sie tragen Lederjacken, Hemden und Hosen in schwarz, am Gürtel baumeln Colts und Gummiknüppel, an der Brust und auf der schwarzen Schildmütze sind rautenförmige Wappen mit einer Faust zu sehen. Zu Fuß führen sie oft Hunde mit sich; ihre schnellen Wagen sind mit Funk und allen Schikanen ausgerüstet. Die jungen, drahtig aussehenden Männer, denen Münchens Bürger seit einiger Zeit auf der Straße, in der U-Bahn oder im Grünen begegnen, gehören nicht etwa zur Staffage eines Leinwandepos oder zu einer Sondertruppe der Polizei – es sind Angehörige des „Zivilen Sicherheitsdienstes“ (ZSD) des Münchner Kaufmanns Carl Widmeier, die Münchens Olympiapark und die U-Bahn Stationen während der Nachtstunden bewachen.

Kleidung, Bewaffnung und Auftreten der Lederjacken sorgten nicht nur schnell für die mittlerweile in München gängige Bezeichnung „schwarze Sheriffs“, die Widmeiers Leute bezeichnenderweise mit einem gewissen Stolz tragen; sie riefen auch Parteien, Gewerkschaften und Jugendverbände auf den Plan. Die Stadtratsfraktion von SPD und FDP kritisierten den Einsatz der privaten polizeiähnlichen Truppe ebenso wie die Gewerkschaft ÖTV. Der Landtagsabgeordnete Heinrich Schnell erinnerte gar an die Schutztruppen der zwanziger und dreißiger Jahre, „die anfangs ganz harmlos waren und dann zu einer Gefahr für die Demokratie wurden“. Die Katholische Studierende Jugend demonstrierte in der Fußgängerzone gegen die schwarzen Sheriffs. „Das Auftreten von privaten Schutzpolizisten führt auf die Dauer nicht zu weniger sondern zu mehr Gewalttätigkeit“, erklärte ihr Sprecher.

Kürzlich erhielt die Kritik in München neue Nahrung: Eine nächtliche Auseinandersetzung in einem Münchner U-Bahnhof zwischen zwei schwarzen Sheriffs und einem Jugoslawen endete mit einem Schuß aus der Smith & Wesson-Pistole eines Wachsmanns. Der Jugoslawe, der in eine andere Auseinandersetzung verwickelt war, gab an, vor dem vermeintlichen Komplizen des Angreifers geflohen zu sein. Als er aus einer Schreckschußpistole Schüsse abgab, konterte einer der U-Bahn-Bewacher mit scharfer Munition und traf den Ausländer an der Hüfte. Die Schuldfrage bedarf der gerichtlichen Klärung. Die privaten Ordnungshüter sind dadurch jedenfalls wieder ins Gerede gekommen und Thema offenlicher Auseinandersetzungen.

Carl Widmeier, Chef der schwarzen Sheriffs und ehemaliger Karate-Lehrer, fühlt sich von der Öffentlichkeit seit langem mißverstanden. Statt ihm Lorbeeren zu flechten, weil er für die allgemeine Sicherheit sorgt, wo dies der Staat aus Personalgründen nicht tun kann, tun Öffentlichkeit und Medien genau das Gegenteil und überziehen ihn mit Kritik. Stolz weist er auf seine gründliche Ausbildung, die mit der Polizei durchaus konkurrieren könne. Der clevere Geschäftsmann „Wissen Sie, ich bin Unternehmer in Sachen Sicherheit“) schult seine Ordnungsleute denn auch anders als die Wach- und Schließgesellschaft: Bei ihm müssen die Anwärter jung und sportlich sein; außerdem werden sie zwei Jahre lang geschult, bevor sie zum Wachdienst auf die Menschheit losgelassen werden.

Die Auftraggeber sind für Widmeiers Dienstleistungen dankbar. So ist der Geschäftsführer der Olympiapark-Gesellschaft, in deren Auftrag die schwarzen Sheriffs den Olympiapark bewachen, „sehr zufrieden“. Und Oberbaudirektor Reimar Ollesch von der Stadt München urteilt: „Viele Fahrgäste und nicht zuletzt unser Personal fühlen sich auf dem U-Bahn-Gelände jetzt sicherer.“ Widmeier kann sich einen Hinweis auf seine neidische, aber nicht so schlagkräftige Koakurrenz nicht verkneifen. In der Tat ist verständlich, daß man von der Sicherheitsgarantie her gesehen seine Leute zu bestimmten Aufgaben eher heranzieht, als ältere Herren anderer Wach- und Schließunternehmen.