Bei uns wird der Bauernkrieg vor 450 Jahren üblicherweise im Zusammenhang mit der Reformationsgeschichte nur am Rande behandelt. Auf dem diesjährigen Bauerntag in Wiesbaden wurde er nur beiläufig erwähnt... Wird solches und vieles andere einfach zugedeckt und vergessen, weil unser Grundgesetz jetzt gewährleistet, wofür Vorfahren gekämpft und gelitten haben? Dann wären es in der Tat nur fremde Siegermächte aus zwei Weltkriegen, die uns demokratisch gemacht haben. Unsere Demokratie kann aber nur dann Bestand haben, wenn wir uns in sie hineinleben und der eigenen Wurzeln gedenken, die sie bei uns hat... Was uns not tut, wäre ein neuer Lessing der Freiheitsbewegungen... Täglich hören wir von Freiheitsbewegungen in den verschiedensten Ländern... Deutsche Terroristen, die sich fälschlich zu Anwälten dieser Bewegungen ernennen, sind auch hier wirksame Helfer derer, die von Freiheitsbewegungen nichts oder möglichst wenig hören mögen.

Gustav W. Heinemann bei der Verleihung des Lessing-Preises in Hamburg am 2. Oktober, dessen 15 000 Mark er an „amnesty international“ und an die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in Rastatt weitergibt.

Haie und kleine Fische

In Amerika ist alles möglich. Steven Spielbergs Film „Der weiße Hai“ ist nur ein harmloses, gut gemachtes Kinoabenteuer, das aber durch eine gigantische Werbekampagne zum größten Erfolg der Filmgeschichte hochkatapultiert wurde (bisheriges Einspiel: 145 Millionen Dollar, deutscher Start: 19. Dezember) und Amerika in eine Massenhysterie versetzt hat. Davon will nun die Branche profitieren. „Mako, Kiefer des Todes“, „Rotes Blut“ und „Piranhas“ heißen die ersten Nachfolger im Kielwasser des Hits, weitere Filme über Killerbienen, Amok laufende Krokodile und tödliche Bärenklauen sind in Arbeit. Bei uns fällt das Absahnen etwas primitiver aus: Die Firma Cinema Center hat flugs den alten Kulturfilm „Blaues Wasser, weißer Tod“ umgetauft in „Killer Hai“ und macht gute Geschäfte mit dem genasführten Publikum, das natürlich den berüchtigten Schocker aus Hollywood erwartet; ein weiterer Film, Fullers „Shark“ (Hai), der vor Jahren im Fernsehen lief, harrt auch noch seiner schnellen Auswertung. Hoffentlich wissen die Verleihe, daß ihr Treiben unter „unlauteren Wettbewerb“ fällt und es Schutzverbände gibt, die gegen solchen Mißbrauch zu klagen bereit sind.

Taschenbücher in eine Hand

Rechtzeitig zur Buchmesse hat der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) in München weitere Anstrengungen unternommen, den immer weniger leicht zu überschauenden Markt der zu vielen Reihen zu ordnen. Bisher schon bestehende Verbindungen der Kooperation bei Programmplanung, Vertrieb und Werbung mit den Verlagen Baerenreiter, Beck, Enke, Langewiesche-Brandt, Thieme werden auf weitere Editionshäuser ausgedehnt. Dabei geht es nicht um Expansion, sondern um Konzentration ohne Kapitalverflechtung. So wird der germanistische Fachverlag Niemeyer (Tübingen) seine Reihe „Deutsche Texte“ bei dtv herausbringen. Der Friedrich Verlag (Velber) wird seine Monographien „Friedrichs Dramatiker des Welttheaters“ bei dtv erscheinen lassen. Bei dtv erscheinen ferner, die Jugendtaschenbuchreihe des Benziger Verlages (Zürich/Köln) und die Taschenbücher des List Verlages (Verlagsgruppe List, Südwest, Süddeutscher Verlag).

Tresor knacken – theoretisch

Zum ersten Internationalen Kongreß der Kriminalromanschriftsteller haben sich vierhundert Autoren in London getroffen. Nach der Begrüßung durch den Londoner Polizeipräsidenten stürzten sich die Kriminalschriftsteller in einen Erfahrungsaustausch über das kunstgerechte öffnen von Schlössern, das Knacken von Safes, den Gebrauch von Handfeuerwaffen und andere einschlägige Handfertigkeiten. Die amerikanische Autorin Dorothy Hughes machte den Kongreß selbst zum Thema, indem sie ihren Kollegen, unter denen auch Vertreter aus den sozialistischen Staaten Osteuropas waren, einen Wettbewerb für die beste Mordgeschichte vorschlug, die im Milieu des Kriminalschriftstellertreffens spielt.