Münster

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Feldhaus aus Münster hat einen katholischen Bischof zum Vetter, den Bischof von Münster, Heinrich Tenhumberg. Beide stehen auf Kriegsfuß, westfälische Don Camillo und Peppone. Während der Bischof von der Kanzel auf die SPD wettert, wirbt sein Vetter bei den Katholiken, die Sozialdemokraten zu wählen.

Als Feldhaus am letzten Sonntag zur heiligen Messe ging, ärgerte er sich über den Katholischen Digest, der am Kirchenkiosk zum Verkauf auslag. In einem Leitartikel hieß es dort: „Es muß klar ausgesprochen werden, ein gläubiger Christ mit klarem Denken kann nicht SPD-Mitglied werden.“ An anderer Stelle stand zu lesen, ein eindeutiger SPD-Sieg bedeute den Anfang der Bolschewisierung.

In einem offenen Brief an den Bischof siezte der Sozialdemokrat seinen Vetter: „Gegen eine solche Infamie, die Tausende von Bürgern und Mitgliedern der christlichen Kirchen schwer verletzt, möchte ich nachdrücklich protestieren. Ich bitte Sie sehr, Schritte zu erwägen, die darauf abzielen, die Auslage dieser Zeitschrift in den Kirchen zu verhindern...“

Auch die Wochenzeitung neue bildpost, in der abwechselnd der Bonner CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Reddemann und der von der SPD zur CDU konvertierte Bundestagsabgeordnete Müller in politischen Kolumnen gegen die Bundesregierung vom Leder ziehen, will der SPD-Parlamentarier aus den Kirchen verbannt wissen. In der vergangenen Woche nannte das Blatt die Proteste gegen das spanische Franco-Regime eine „perfekte prosowjetische Weltkoalition“.

Bischof Tenhumberg antwortete sofort seinem Vetter: „Du solltest von mir nicht allzu viel Dirigismus verlangen, wenn man schon das Prinzip der Pressefreiheit hochhalten will“, schrieb er, und er konterte: „In den letzten Monaten sind in sozialdemokratischen Zeitschriften Veröffentlichungen publiziert worden, die mich außerordentlich betrübt und geärgert haben.“

Damit freilich, so meint Vetter Feldhaus, habe der Bischof „gründlich am Problem vorbeigezielt“, denn es gehe darum, daß Parteipropaganda nicht in Kirchen gemacht werde. H. K.