Merkwürdig

„Tommy“ von Ken Russell. Der genialische Meister exaltierter Sensationen hat wieder hingelangt, und bald schon tun dem halbwegs sensiblen Betrachter Augen und Ohren weh. Gnadenlos terrorisiert Russell das Parkett mit ausgesucht grellen Effekten, Die Rock-Oper der Gruppe „Who“ dient dem Regisseur von „The Devils“ und „Mahler“ als Anlaß zu einem monströs manierierten Spektakel, in dem jede Einstellung ihre eigene Originalität feiert. Doch die optischen und akustischen Kabinettstückchen schlagen sich gegenseitig tot, Russells Inszenierung fehlt es an Disziplin und Ökonomie. Was bleibt, ist eine aufgeblähte Revue modischer Obsessionen voll grenzenloser Eitelkeit. Wie Alexander Jodorowsky wird Russell allenfalls als Papiertiger in die Filmgeschichte eingehen.

Beachtlich

„Der Graf von Monte Christo“ von David Greene besitzt die bescheidenen Tugenden des Schmierentheaters: falsche Bärte, falsche Gefühle, treuherzige Posen, unbeirrbare Naivität. Konsequent altmodisch hat Greene das Abenteuer inszeniert, ganz ohne die parodistischen Arabesken von Lesters „Drei Musketieren“. Richard Chamberlain spielt den Rächer Edmont Dantes so frisch und forsch wie John Gilbert 1923 in der bekanntesten Stummfilmversion; Tony Curtis und Louis Jourdan, der vor 14 Jahren selber noch unter der Regie von Claude Autant-Lara den Grafen spielen durfte, liefern als Erzschurken Mondego und Villefort dröhnende Chargen. Greenes atemberaubend biederes Werk ist nicht ohne einen gewissen perversen Charme: ein gutmütiger Spaß fern allen prätentiösen Spielereien.

Mittelmäßig

„Jessy – Die Treppe in den Tod“ von Bob Clark ist eine ungebührlich alberne Gänsehaut-Ballade aus Kanada. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit (Originaltitel: „Black Christmas“) hat sich ein Unhold im Schwesternheim eingenistet. Schreie gellen durch die Nacht, Leichen pflastern seinen Weg. Statt jener psychologisch nuancierten Spannung, die seine Vorbilder von Hitchcocks „Psycho“ bis Premingers „Bunny Lake ist verschwunden“ kennzeichnet, hantiert Clark mit grobschlächtigen Horroreffekten der Güteklasse C. Schräge Perspektiven sollen eine Terrorstimmung simulieren, doch die Schocks dürften nicht einmal Kleinkinder erschrecken.

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