DIE ZEIT

Der Ministerschub am Potomac

Der rigorose Wechsel in mehreren mächtigen Führungspositionen der Weltmacht Amerika sprengt die Traditionen und die Dimensionen üblicher Personalschübe in der unmittelbaren Umgebung des Präsidenten.

Die unsichere Alterssicherung

Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl zerbröckelt die letzte große Illusion unserer Gesellschaftspolitik: die materielle Sicherung der Bürger im Alter.

"Ich muß dieses Amt nicht haben"

9.00 Uhr. Die Mannschaft im Bundeskanzleramt ist versammelt, nur der Kapitän fehlt. Helmut Schmidt hat einen geheimnisvollen Besucher.

Zeitspiegel

Die sowjetische Post ist linientreu, schnell und korrekt. Den letzten möglichen Zweifel daran zerstreute die britische Bertrand-Russell-Friedens-Gesellschaft mit einer kleinen Notiz: Siebzehn aufmunternde und zustimmende Briefe schrieb sie an den sowjetischen Regimekritiker Andrej Sacharow.

Die Bombe fiel nicht aus heiterem Himmel

Sonntagabend: Frau Oberstleutnant Johnson hält für das Pentagon brenzliche Stallwache. Sie hat Bereitschaftsdienst in der Informationsabteilung und ihr Telephon läuft heiß.

Dem Frieden auf der Fährte

Für den ersten Staatsbesuch eines ägyptischen Präsidenten in Washington hatten beide, Gastgeber wie Gast, gute Vorarbeit geleistet, jeder auf seine Weise: Anwar el-Sadat hatte mit seinem Überraschungsangriff vom Oktober 1973 den Amerikanern den Weg zurück auf den nahöstlichen Schauplatz geebnet; erst Nixon, dann Ford, und beide mit Hilfe ihres Außenministers Kissinger, machten es wiederum dem Ägypter leicht, sich aus der engen sowjetischen Umklammerung zu lösen.

"Das nächste Mal in Madrid"

Dona Pilar, Francos resolute Schwester, nahm kein Blatt vor den Mund: "Unsere einzige Hoffnung ruht auf einem Wunder, einem der vielen, die Gott ihm hat zuteil werden lassen", erklärte sie am Wochenende in einem Zeitungsinterview.

Volltreffer

Einen Vorwurf mird man den Jusos jetzt nicht mehr machen dürfen: Sie redeten, abstrakte Theorie-Diskussion betreibend, über die Köpfe ihrer Zuhörer hinweg.

Juristische Geschütze

Im innenpolitischen Streit um die jüngsten deutsch-polnischen Vereinbarungen fährt die Opposition nun auch juristische Geschütze auf.

Mannhaft nach Mannheim

Wer in der SPD etwas zu sagen hat, prophezeit ihrem Mannheimer Parteitag einen freundlichen Verlauf. Und es sieht so aus, als ob die Partei diese Voraussage auch wahrmachen wird.

Pressepool an der Ruhr: Essener Elefantenhochzeit

Das Echo war weniger schrill als gewöhnlich, dafür schallte es aus den unterschiedlichsten Richtungen. Während das linke Lager den neuesten Konzentrationscoup im westdeutschen Pressewesen nur gedämpft kritisierte, verkündeten CDU und Verleger diesmal deutlicher ihr Unbehagen.

Die Axt am Ämterwald

Ein Mann, der den Typus des pflichtgetreuen preußischen Beamten beinahe in Reinkultur verkörpert, hat sich den Zorn der Beamtenschaft, ihrer Funktionäre und auch seiner Gesprächspartner in der Bundesregierung zugezogen.

Keine Rückkehr in die Militärallianz

Georgios Mavros ist Führer and Sprecher der stärksten griechischen Oppositionspartei, der Zentrumsunion/Neue Kräfte und – wie es in Athen heißt – unter Umständen der neue Ministerpräsident Griechenlands.

Krawall von links, Gefahr von rechts

In Portugal schwirren wieder einmal die Putschgerüchte: Kommt der Umsturz am 11. November – an diesem Tag soll Angola unabhängig werden –, und kommt er von rechts oder von links? Die Regierung Azevedo bemüht sich verzweifelt, die Unruhe zu dämpfen und ihre Autorität zu stärken.

New York vor dem Konkurs

In der vergangenen Woche verkündete der amerikanische Präsident gleich mehrfach, was zumal die New Yorker seit langem befürchtet hatten: Er kündigte sein Veto an, falls der Kongreß eine bundesstaatliche Kreditgarantie für Kommunalschuldtitel der Stadt beschließen sollte.

Alte Schlachten

Schon äußerlich erinnerte die Szene an jene dramatischen Tage im April und Mai vor drei Jahren, als die Union um ihre Haltung zu den Ostverträgen rang.

Humanität mit Hindernissen

Mehr als zwei Jahre hat der Berliner Senat mit der DDR – und mit den verantwortlichen Westmächten – verhandelt, ehe eine allseits akzeptable Übereinkunft über Hilfsmaßnahmen in Grenzgewässern erzielt wurde.

Der Persilschein von Herrn Plaumann

Wer es bis dahin nicht begriffen hatte, den stieß der Umweltminister im Fernsehen mit der Nase drauf: Der Prozeß um den Hanauer Giftmüllskandal entzaubert die Umweltpolitik, bringt ihr eine Schlappe nach der anderen bei.

Sicherheitsrisiko: Angst vor Horst Mahler?

Am 4. November 1975, um 13 Uhr, auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin, wurde Dorothea Mahler, geb. Nixdorf, von ihren Kindern Klaus, Peter und Relli zu Grabe getragen.

„Ihr hat wohl d’ Dom beklaut?“

Ungläubig blickten am vergangenen Sonntag Kardinal, Dompropst, Kustos und andere Spitzen des Kölner Klerus und der Domverwaltung auf die Scherben in der ausgeplünderten Schatzkammer der Kölner Kathedrale: Zwei geschickten Einbrechern war es in bester Topkapi-Manier gelungen, mit einer Bergsteigerausrüstung durch ein Lüftungsloch in den Raum zu gelangen, in dem die kostbarsten liturgischen Geräte und Juwelen der Kölner Domkirche aufbewahrt und für drei Mark Eintritt Gläubigen und Ungläubigen gezeigt werden.

Schotten dicht

Der Schotten-dicht-Alarm kam vor der Flut. Während in Hamburg die Ministerpräsidenten der Länder im gemeinsamen Chor die „große Problematik“ der Lehrerarbeitslosigkeit diskutierten, machte Kiels Kultusminister Walter Braun die Schleuse zu.

Uneinige Rechte

Wie zu erwarten war, hat der rechtskonservative Bund Freies Deutschland einen Kollaps erlitten. Das Wahlergebnis von 3,4 Prozent im März und die reichlich bunte Zusammensetzung seiner Mitglieder sind die Ursache des Zerfalls.

Am Main nur noch Händler

Mancher kann machen, was er will: es geht alles daneben. Das geht Menschen so und Städten. Frankfurt am Main zum Beispiel. Hier werden immer wieder Anstrengungen unternommen, eine menschliche Stadt zu werden.

Der "Bubi" auf dem Altenteil

Wer hätte das gedacht: Jetzt sitzt Adolf von Thadden, der ehemalige Chef der NPD, direkt neben den Jusos, tagtäglich, und sie stören sich nicht.

Leere Betten, rote Zahlen

Die Kerpener bangen um ihr Krankenhaus. Das katholische „Marienhospital“ der 50 000-Einwohner-Stadt bei Köln soll wegen eines Defizites von einer dreiviertel Million.

Verbannt auf den Dachboden

Was in der Politik immer wieder einmal urfehdenhafte Widerstände aufrührt, war dem Maler Anton von Werner gelungen: Er hatte Nord- und Süddeutschland geistig verbrüdert.

Kunstturn-Weltpokal: Institution oder Kuriosität?

Der Wettkampf-Kalender des Internationalen Turnverbandes ist seit letzter Woche um ein Ereignis bereichert, von dem selbst Experten noch nicht genau wissen, ob es als ständige Einrichtung angesehen werden soll oder ob es als Kuriosität abgebucht werden kann.

Bei der Mitbestimmung will die FDP das Schlimmste verhindern: Die Unternehmen sollen entscheidungsfähig bleiben: Dank an die „Bremser“

Die Vermehrung der Zahl von Aufsichtsratsmandaten für Gewerkschafter und andere Arbeitnehmervertreter ist gewiß keine sonderlich wichtige Aufgabe für Regierung und Parlament: Die Arbeiter werden nichts davon haben und drängen auch gar nicht danach; die Leistungsfähigkeit der Betriebe oder die Qualität von Unternehmungsentscheidungen werden nicht verbessert.

BONNS FINANZKRISE

Fazit: Mit dem Rotstift allein, also Leistungsminderungen bei gleichzeitig wachsender Abgabenlast, läßt sich der öffentliche Bereich – ob allgemeine Verwaltung, Bahn, Post, Gesundheits- oder Bildungswesen – nicht dauerhaft sanieren.

Am eigenen Schopf aus dem Sumpf

Schon im kommenden Jahr könnte der Bund, nach Ansicht des Bundesrechnungshof-Präsidenten Hans Schaefer, unter anderem weitere rund 2000 Schreibkräfte und 280 Dienstwagen samt Fahrern einsparen.

Feste Regeln?

Von Zeit zu Zeit erwacht in der von konjunkturpolitischen Nöten geplagten Bundeshauptstadt der Wunsch, das Auf und Ab der wirtschaftlichen Entwicklung konsequenter, wirksamer und frei von den vielfältigen Pressionen der beteiligten Politiker und Sozialpartner zu steuern.

Bonner Kulisse

Alle Bemühungen, Einzelheiten über eine angebliche Einigung der Koalitionsfraktionen in Sachen Mitbestimmung zu erfahren, scheitern an einer totalen Nachrichtensperre.

Nur ein Bericht

Innenminister Werner Maihofer hat der Regierung jetzt eine Fleißarbeit vorgelegt. Dafür bürgt schon der Titel: „Bericht über Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit der Reform und Rationalisierung der Verwaltungsorganisation“.

Hilflos

Der Nebel, der am vergangenen Freitag über vielen europäischen Flughäfen lag, verhinderte einen Akt gewerkschaftlicher Solidarität.

Krimis, Küche, Klatsch und Kinder

Am Anfang stand ein glatter Reinfall. Als die Fernsehwoche, das jüngste Objekt am Markt für Programmzeitschriften, im Herbst 1969 neu an die Kioske kam, blieb sie in nahezu kompletter Auflage liegen.

Nur für deutsche Käufer

Ein Zeitungsartikel in der New York Times löste in der vergangenen Woche eine öffentliche Diskussion um einen Kölner Abschreibungsexperten aus.

Sabotageabwehr: Bomben im Musterkoffer

Saboteure hätten leichtes Spiel gehabt. In der neuen Fabrik des süddeutschen Automobilunternehmens war dort, wo per Elektrophorese die rohen Karosserien im Wassertauchbad lackiert werden, eine fürs geschulte Auge zu erkennende Schwachstelle.

Lange Gesichter an Rhein und Ruhr

Schwarzer Samt wäre ein angemessener Dekorationsstoff für den diesjährigen Eisenhüttentag, der die Manager der deutschen Stahlindustrie am Donnerstag und Freitag dieser Woche in Düsseldorf vereinigt: Noch nie tat die Branche einen so tiefen Fall wie von 1974 auf 1975, noch nie steckten die Hütten an Rhein und Ruhr, in Bremen und Niedersachsen, an der Saar und in Bayern so tief in den roten Zahlen wie in diesem Herbst.

Zurück zur Erde

Die großen Hoffnungen trogen, die Ingenieure und Wissenschaftler blieben ohne Fortune: Das "Institut Chemische Raketenbetriebe" der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Trauen in der Nähe der niedersächsischen Kleinstadt Soltau wird geschlossen.

Jeder will die rote Mütze

Ein französischer Mercedes – das wird er wohl nicht." So beschloß froh die Fachzeitschrift Auto, Motor und Sport einen Testbericht über den neuen großen Peugeot 604.

Herstatt fehlt an allen Ecken

Wirtschaftskrise hin, Finanzmisere her – eine Spezies von Bundesbürgern hat sich trotz ernster Lage ihr heiteres Gemüt bewahrt: Pünktlich am 11.

„Das ist nicht zumutbar“

Blüm: Ich gehöre nicht zu den Gegnern notwendigen Sparens, und ich unterstütze auch nicht den Mißbrauch des Arbeitsförderungsgesetzes.

„Unfair“

Das Konzept sei „töricht“, „ungerecht“ und eine „gigantische Fehlsteuerung“, meinte Nixdorf. Stein des Anstoßes ist für ihn die einseitige Begünstigung der Siemens AG, die bisher jährlich rund neunzig Millionen Mark erhalten hat, um halbwegs mit dem amerikanischen Giganten IBM (Weltmarktanteil rund 60 Prozent) mithalten zu können.

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