Saarbrücken

Was in der Politik immer wieder einmal urfehdenhafte Widerstände aufrührt, war dem Maler Anton von Werner gelungen: Er hatte Nord- und Süddeutschland geistig verbrüdert. In einem Wandbild hatte er den, wie es ein Zeitgenosse formuliert, „idealen Gewinn“ veranschaulicht, „der für Saarbrücken wie für das ganze deutsche Vaterland aus dem blutigen Ringen erwachsen ist“.

Und idealer ging es kaum: Symbolgestalten von Nord und Süd auf dem Schlachtfeld, zwar helmbewehrt, doch brüderlich Hand in Hand, und dahinter, krönungsbereit, die Viktoria. Aber trotz dieser Gewinn-Visualisierung wurde ihr Schöpfer von seinen Nachfahren undankbar behandelt und mit seinem Nord-Süd-Frieden auf den Dachboden verbannt: auf den des Saarbrücker Rathauses.

Dort liegt nun, was von der deutschen Verbrüderung geblieben ist, in Form einer riesigen Leinwandrolle – die einzige Rolle, die Anton von Werner in der Kunstgeschichte noch zugebilligt wird. Und von Zeit zu Zeit erkundigt sich jemand, ob es nicht doch regionale Pflicht sei, die Wandbilder aus dem 1944 zerbombten alten Rathaus zu restaurieren. Eine Frage, die außer der Verbrüderung auch der Eroberung des Spicherer Berges und dem Einzug von König Wilhelm in Saarbrücken im Jahre 1870 gilt.

Nicht aber, daß die Saarländer nun wegen der Kürzung von Bonner Förderungsmitteln gleich ihren alten König Wilhelm wiederhaben wollen, der ihnen später als Kaiser all diese schönen Malereien gestiftet hat, darunter drei Werke von Format – insgesamt 45 Quadratmeter. Den gelegentlichen Interessenten geht es so wenig um die Hauptperson der Einzugsszene wie um die Verbrüderung auf dem anderen Bild. Sie denken nur an die Historie ihres Raumes. Und sie jedenfalls wird auf dem Einzugsbild lebendig, obwohl Wilhelm in dieser Form 1870 überhaupt nicht eingezogen ist.

Aber Anton von Werner, der beim Entwurf 35jährige Direktor der Berliner Hochschule für die bildenden Künste, hatte als genauer Bildknappe seinen König stets vor Augen, und zu seinen Top-Modellen, die durch ihn erst richtig bekannt wurde, gehörten ja auch Moltke und Bismarck. Moltke zuletzt auf dem Totenbett – ohne Toupet.

In eben dieser linientreuen Art hatte Anton von Werner Ende der siebziger Jahre auch Saarbrücker Bürger skizziert, deren Köpfe er in den frei erfundenen, wenngleich maßvollen Jubel beim nicht so erfolgten Einzug König Wilhelms hineinmalte. Wie seinen Memoiren zu entnehmen ist, sieht man da außer Bäckern, Tischlern oder Kappenmachern auch „Damen und Dienstboten“, die sich „in den Kriegstagen verdient gemacht hatten“.