Von Eberhard Wagemann
Zwanzig Jahre sind in unserer Militärgeschichte eine lange Zeit. Die Reichswehr bestand vierzehn die Wehrmacht zehn Jahre. Und doch sind die Schatten dieser beiden kurzen Abschnitte noch heute wirksam in der Vorstellungswelt vieler Politiker und Journalisten: Ist das Primat der Politik, sind die demokratischen Freiheiten durch die Armee gefährdet?
Beherrschend und geschichtlich nachwirkend war die Rolle der Armee als "Erziehungsschule der Nation" gegen Liberalismus und Sozialismus. Im Kampf um die Soldaten konzentriert sich der Kampf des liberalen Bürgertums und der Sozialdemokratie um einen wachsenden Anteil an politischer Macht. Es muß von den Politikern, die in dieser historischen Perspektive den Weimarer Staat aufbauten, als Hypothek empfunden worden sein, daß es die Reste kaiserlicher Truppen waren, die schützend an der Wiege dieser Republik standen.