Es trifft sich gut: Just in dem Moment, in dem ein Jugendreiseveranstalter Konkurs anmeldet, erscheint ein neuer auf dem Plan. Neckermann und Reisen (NUR), die vor drei Jahren den "Club 28" übernommen hatten und ihn seitdem in ihrem Programm versteckt’ hielten, lassen ihn nun in einem eigenen Prospekt wieder auferstehen.

Das Angebot ist bunt: 14 Klubs (Hotels oder Ferienanlagen) in zehn Gebieten und fünf Ländern, außerdem eine Kreuzfahrt mit der "Maxim Gorki", Piratenfahrten vor der dalmatinischen Küste und ein paar Busreisen.

Neue Urlaubshorizonte bietet dieses Programm nicht. Aber bemerkenswert ist die Art, wie es präsentiert und wie die bekannten Ingredienzen der Jugendtouristik neu gemixt werden:

  • Junge Leute wollen im Urlaub unter sich sein: Das wird garantiert, zum Teil belegt NUR die Hotels mnit ausländischen Jugendreiseveranstaltern zusammen. Das Alter wurde allerdings von 30 auf 33 Jahre erhöht.
  • Sport muß sein: Im Club 28 sind die Möglichkeiten ausreichend und weitgehend im Preis eingeschlossen.
  • Die Rolle des herkömmlichen Jugendbetreuers wird hier von Allroundtalenten (sprich: ausgewählten NUR-Reiseleitern), und in einigen Klubs auch von professionellen Entertainern wie Popgruppen, Liedermachern, Fernsehleuten übernommen.
  • Junge Leute wollen keine Zwänge: Im Prospekt ist dies der Hauptprogrammpunkt. Lässigkeit ist eiste Klubpflicht. Die Welcome-Party geht "locker über den Hocker" das feeling (Prospektdeutsch) ist "wahnsinnig gut", im übrigen so ziemlich alles "dufte" and "echt".

Das ökonomische Motiv dafür, ein Miniprogramm (man erwartet im ersten Jahr 15 000 Teilnehmer) mit soviel Aufwand in Szene zu setzen, wird vom Veranstalter nicht verschwiegen: Müssen Jugendreiseveranstalter sonst ihre Kunden mit deren 30. Geburtstag an andere Unternehmen abgeben, so können NURgewöhnte Jungurlauber auch über die Altersgrenze bei der (Pauschal-)Stange bleiben: Neckermann, geh du voran.

Die Frage ist, ob sich auch die über 20jährigen von einem Jargon angesprochen fühlen, der dem frühesten Teenalter abgelauscht ist: ein Verschnitt aus Jugendbewegtheit, Burschikosität, Junge-Leute-Romantik und gutdeutschem Umgangsenglisch. Wenn es – wie der Veranstalter beteuert – wirklich junge Leute waren, die diese Stimmungstexte geschrieben haben, dann waren es mit Sicherheit solche, die ihren Kurs in Werbepsychologie schon hinter sich haben.

B. v. J.