DIE ZEIT

Täter des Wortes

Helena Sacharowa ist enttäuscht über die öffentliche Meinung des Westens. Einen Aufschrei der Empörung hatte sie erwartet, als ihrem Mann die Reise nach Oslo zur Entgegennahme des Friedensnobelpreises untersagt wurde, eine breite Woge des Protestes, die alle Bedenken der Kremlmächtigen doch noch hinweggespült hätte.

Mainzelmänner

So harmonisch ist eine Personalentscheidung in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt noch selten ausgeklungen. Fast alle sind zufrieden.

Ein König in Zeitnot

Nur Träumer hatten geglaubt, nach Francos Tod werde sich in Spanien unverzüglich alles ändern. Die Besonnenen wußten zwar von Anfang an, daß sich der junge Monarch Juan Carlos mit größter Vorsicht zwischen dem Widerstand der Rechten und den Wünschen der Linken hindurchlavieren muß, wenn er mit seiner Reformpolitik nicht an den Felsen der Reaktion oder in den Strudeln der Revolution scheitern will.

Entspannung auf der Kippe

Der Streit hat verschiedene Wurzeln. Die immer schon gegen Entspannung waren, weil sie dahinter bloß eine sowjetische List vermuteten, melden sich um so lauter zu Wort, je näher in der Bundesrepublik und in den Vereinigten Staaten die Wahlen heranrücken.

Politik im Fluge

Hans-Dietrich Genscher in Bukarest und in Jerusalem, in Brasilien und Peru, in New York und in Afrika, dazwischen in Madrid, Brüssel, und Rom – der Außenminister erschien in den letzten Wochen wie die politische Version des Mozartschen Figaro: Bald hier, bald da, im Süden, im Norden, im Osten und im Westen, in der Bundeshauptstadt nur eben nächtigend, kurz in eine Bundestagsdebatte eingreifend, im Kabinett für Stunden gesichtet und gleich wieder entschwebt.

Ein österreichisches Trauerspiel

Als am Morgen des 3. Dezember das Wiener Landgericht um 7.30 Uhr öffnete, stand der kleine ältere Herr mit Schnurrbart schon vor der Tür und beeilte sich, den zuständigen Richter Reisenleitner zu finden: Um 7.

Der Fluch der guten Taten

Kein Wort mehr vom Rücktritt. Dabei käme es gar nicht überraschend. Denn für Walter Arendt, den Bundesarbeitsminister und ehemaligen Vorsitzenden der Bergarbeiter-Gewerkschaft, grenzt der von der Bonner Koalitionsspitze ausgehandelte Kompromiß zur Mitbestimmung in den Unternehmen an eine Niederlage.

Zeitspiegel

Im Vorfeld der Bundestagswahlen hat die SPD bis jetzt drei Fachkongresse geplant: Zur Gesundheits- und zur Familienpolitik, zu europäischen und internationalen Fragen.

Der ehrliche Makler

Wenn am kommenden Dienstag in der Pariser Avenue Kleber der Nord-Süd-Dialog zwischen Industrienationen, Öl-Staaten und Ländern der Dritten Welt beginnt, wird es im Elysée-Palast zufriedene Gesichter geben.

Und die Russen rüsten weiter

Das Atlantische Bündnis zwischen wirtschaftlichen Zwängen und verteidigungspolitischen Notwendigkeiten / Von Lothar Ruehl

Breschnjew muß Federn lassen

Die Tagesordnung für den Moskauer Parteikongreß im Februar läßt deutlich Breschnjews Absicht erkennen, weiter an der Macht zu bleiben.

Washingtons neue "Pazifik-Doktrin"

Gleichgewicht im Pazifik ist für die Vereinigten Staaten und die anderen Pazifikstaaten unentbehrlich. Die erste Prämisse einer neuen Pazifik-Doktrin lautet, daß amerikanische Stärke grundlegend für jedes stabile Machtgleichgewicht im Pazifik ist.

Stilvoller Staatsstreich

Nicht Berlin, sondern das Königreich Laos (so groß wie die Bundesrepublik, aber kaum volkreicher als Groß-Berlin) war das internationale Sorgenkind, als sich John Kennedy und Nikita Chruschtschow im Sommer 1961 in Wien begegneten.

Austausch und Umzüge

Am Montag wird das Düsseldorfer Oberlandesgericht sein Urteil im Fall Guillaume verkünden. Das nährt aufs neue Gerüchte, die von einem baldigen Austausch des Spionenpaares wissen wollen.

Ein türkischer Teilstaat auf Zypern?

Rauf Denktasch, Führer der türkischen Zyprioten, hat den Vereinten Nationen ein Ultimatum gestellt: Entweder handeln sie bis zu diesem Freitag ein separates Abkommen mit der türkischzypriotischen Verwaltung aus oder sie müssen damit rechnen, vom Nordteil der Insel ausgeschlossen zu werden.

Ein Geheimdienst wird enttarnt

So tief gesunken war der amerikanische Geheimdienst noch nie: Nur vierzehn Prozent aller Amerikaner hatten bei der letzten Gallup-Umfrage noch eine hohe Meinung von der CIA.

Brodeln an der Basis

Angst vor der Zukunft – Die Studenten in den Universitätsstädten werden wieder unruhig

Ablenkung von links

Klaus Matthiesen spielte den Nikolaus, allerdings behielt er die Katze noch im Sack. Nach dem Motto: Ich sehe was, was du nicht siehst, versorgte der ehrgeizige Kieler Oppositionsführer seine SPD-Basis mit Spekulatius.

Von Sachs bis Jürgens

Wenn die Vorzüge von Deutschlands heimlicher Hauptstadt aufgezählt werden, ist immer der hohe Freizeitwert dabei. Darunter versteht man, daß jemand seine Freizeit in München besser verbringen kann als beispielsweise in Wilhelmshaven.

Jedem Smoking seine Tasche

Das Bremer Tabak-Kollegium hatte zu einer Tagung in der Hansestadt eingeladen. Also bezog ich, Quartier im wunderschönen Parkhotel in Bremen, den selten benutzten Smoking im Koffer.

Pardon wird nicht gegeben

Müde, matte und enttäuschte Reformer im weit versteppten Feld der Bildungspolitik: Sie formieren sich zu vier verschiedenen Gruppen, stolpern eher in unterschiedliche Richtungen als gehen und überdecken ihr eigenes Grübeln mit gebetsmühlenhaften Gesängen, die keiner mehr hören will.

Angeschnauzt und weggejagt

Die 32jährige Hausfrau Helga Nixdorf aus Northeim hat ihre drei Kinder in der Badewanne ertränkt. Jutta, 3 Jahre alt, Peter (4) und Susanne (6) mußten sterben, weil die Ehe ihrer Eltern zerrüttet war.

Kerniges in der Paulskirche

Wann hat es das jemals gegeben: Eine Hundertschaft Sportjournalisten trifft sich frühmorgens in der Kirche. Dort warten bereits achthundert Abgesandte einer Gemeinde von fast 14 Millionen Menschen, die unter dem Namen Deutscher Sportbund seit 25 Jahren Gutes tun, und entschlossen sind, darüber zu reden und sei es von der Kanzel.

Ein Denkmal schon zu Lebzeiten

Die kommende Saison sollte den Durchbruch bringen: Graham Hill wollte seinen Formel-1-Rennwagen mit seinem Piloten Tony Brise am Steuer siegen sehen.

Am Wochenende feierte der Deutsche Sportbund sein 25jähriges Bestehen. In der vergangenen Woche schrieb dazu sein Generalsekretär Karlheinz Gieseler in der ZEIT: "Die 13-Millionen-Bewegung gilt als politische Kraft im Lande." Frank Grube und Gerhard Richter, Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg, zweifeln, ob der Deutsche Sportbund wirklich seiner politischen Aufgabe gerecht werden kann.: Wo die Massen sich trimmen

Sport ist eines der großen Phänomene unserer Zeit. Mit seiner Dramaturgie, seiner Mischung aus Tragik und Freude, aus Gewalt und Ästhetik spiegelt er nur idealtypisch jene Prinzipien wider, die für unsere Gesellschaft wohl Allgemeingültigkeit beanspruchen können, nämlich Leistung und Erfolg, Konkurrenz und Kampf.

Stapellauf ins Leere

Angesichts der "erheblich verschlechterten Auftrags- und Beschäftigungslage" in der deutschen Werftindustrie mahnte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident: "Während in Bonn über neue Hilfsprogramme für die Kohle beraten wird, fehlt bis jetzt jede Aktivität der Bundesregierung zur Lösung der neuen Sorgen unserer Werften.

Wenn zwei Playboys verkaufen...

In der Fernsehsendung Report ereiferte sich am Montag ein Sprecher der IG Metall darüber, daß die gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichen, "solche Transaktionen zu verhindern".

Liederlich

Die meisten Krankenhäuser müssen ihre Medikamente beim Privatapotheker einkaufen, wo sie naturgemäß viel mehr bezahlen, als wenn sie sich direkt beim Großhandel oder Hersteller eindeckten.

Provinziell

Vor einigen Monaten hat sich Ernst Wolf Mommsen angeboten, nach seinem Ausscheiden bei Krupp die Rolle eines Sonderbotschafters zu übernehmen, der bei westdeutschen und ausländischen Unternehmern für die Leistungen Berlins wirbt.

Bonner Kulisse

Helmut Lenders, SPD-Abgeordneter und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, läßt nicht gern Unklarheiten über die eigene Person aufkommen.

Oberschlau

Es wird nach Berechnung der Lehrergewerkschaft GEW 1976 etwa zehntausend arbeitslose Lehrer geben. Zum Ärger der Eltern und zum Schaden der Kinder fehlen gleichzeitig an fast allen Schulen Lehrer, weil die Finanzminister kein Geld haben.

Der Pfennig wird teurer

Wie der Verbraucher für den Zwangseinsatz der deutschen Kohle zur Kasse gebeten werden soll

Prallvoll und kniffelig

Reformen haben derzeit in Bonn keine gute Konjunktur. Selbst die einzige der größeren Gesetzesnovellierungen, die auch das uneingeschränkte Gefallen der Unionsparteien findet, wird schwerlich rechtzeitig zum Jahr 1977 in Kraft treten.

Neun Baulöwen in der Höhle

Es knistert im Gebälk der größten italienischen Immobilienholding und Baugruppe Generale Immobiliare Roma. Die stolze Besitzerin des römischen Hilton-Hotels und Erbauerin von Washingtons Watergate weiß nicht, wie sie 105 Milliarden Lire (420 Millionen Mark) kurzfristige Schulden bezahlen soll.

Wohin der Rubel rollt

Besucher aus dem Westen wollen immer wissen, wieviel ich verdiene, obwohl sie selber gar nicht so gern über ihr Einkommen sprechen", wehrt der Genosse Direktor im sibirischen Bratsk zunächst die Frage ab.

Genossen in der Klemme

Die offiziellen Angaben der DDR über ihre wirtschaftliche Entwicklung werden immer optimistischer – und immer nichtssagender.

Total versichert

Diesmal war Opel am schnellsten. Noch bevor das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen sein Plazet offiziell gegeben hatte, war heraus: Opel-Käufer können künftig ihren Neuwagen gegen Reparaturkosten versichern lassen.

Die Scheiche sind noch ganz klein

Als sich im letzten Jahr der Schah von Persien mit seinen Ölmilliarden bei Krupp einkaufte und die Quandt-Witwe ein Paket Daimler-Aktien nach Kuwait veräußerte, gab es Befürchtungen, daß nun der Ausverkauf der deutschen Industrie an die Ölländer beginne.

Sichere Banken

Die Generalversammlung des Bundesverbandes Deutscher Banken und der Hauptausschuß haben jetzt das Statut eines Einlagensicherungsfonds verabschiedet.

Nothelfer aus Turin?

Solange der britische Autokonzern British Leyland mit den italienischen Gewerkschaften und der Regierung über das Schicksal ihrer Tochtergesellschaft in Mailand (Kapazität 100 000 Autos, tatsächliche Produktion zuletzt 40 000 Autos, Zahl der Beschäftigten 4500) verhandelte, wurde Fiat nicht gefragt.

Nicht daran rütteln

Poullain: Die Bundesregierung wird an relativ niedrigen Zinssätzen interessiert sein, um die Finanzierung des auch künftig sehr hohen Kreditbedarfs der öffentlichen Hände sicherzustellen.

Weil fünfzehn Kasse machten

Fünfzehn Männer und Frauen brachten den Stein, ins Rollen: Sie kündigten ihre Kapitaleinlage als stille Gesellschafter bei der Ahrensburger Firma Joh.

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