Kurz vor Jahresschluß sorgte die Deutsche Bank mit ihrer Zeichnungsofferte für Aktien der Mercedes-Automobil-Holding AG, Frankfurt/Main, an der Börse für einen Paukenschlag.

Es war zwar bekannt, daß die Deutsche Bank für die von Flick übernommenen Daimler-Aktien (29 Prozent des Aktienkapitals) eine Plazierungslösung präsentieren würde. Doch nur wenige hatten mit einer so breiten Beteiligung des Publikums gerechnet. Vier Prozent des Daimler-Kapitals hat die Deutsche Bank schon „über die Börse“ verkauft. Nun sollen private Anleger bis zum Jahresschluß 600 Millionen Mark für den Erwerb von 100 Millionen Aktienkapital der Holding bereitstellen. Eine Holding-Aktie kostet 350 Mark.

Weitere Holding-Aktien im Wert von 50 Millionen Mark werden von der Deutschen Bank noch zurückgehalten. Sie sollen im Frühjahr über eine Optionsanleihe der Deutschen Bank plaziert werden. Das Bezugsrecht auf diese Anleihe erhalten einmal die Aktionäre der Deutschen Bank, zum anderen die Publikumsaktionäre der Mercedes-Holding.

Sie werden später 50 Prozent der Holding-Aktien halten, je 25 Prozent des Grundkapitals von 300 Millionen Mark (siehe Zeichnung) liegen bei den Beteiligungsgesellschaften „Stern“ und „Stella“, an denen wiederum je vier Großanleger beteiligt werden sollen. Eine 25prozentige Beteiligung an „Stern“ oder „Stella“ wird immerhin runde 115 Millionen Mark kosten. Damit ist der Kreis der Interessenten recht eng gezogen. Die Deutsche Bank hat nichts dagegen, wenn sich für diese „Minischachteln“ auch Ausländer melden. Sie wird aber mit Sicherheit darauf achten, daß nicht beide Beteiligungsgesellschaften von Ausländern majorisiert werden können.

Die von der Deutschen Bank gefundene Lösung macht sich den Steuervorteil des Schachtelprivilegs in geradezu genialer Weise zunutze. Da strenge Augen hier möglicherweise einen Steuermißbrauch entdecken könnten, hat sich die Deutsche Bank ihre Konstruktion von den Finanzbehörden absegnen lassen mit der Folge, daß die Großanleger auf ihre Beteiligung an „Stella“ oder „Stern“ eine steuerfreie Rendite von 2,6 Prozent kassieren können. (Daimler wird für 1975 die Dividende von 7,50 auf 8 Mark je 50-Mark-Aktie erhöhen). Um eine steuerfreie Rendite von 2,6 Prozent zu erzielen, muß bei nichtschachtelprivilegierten Anlagen eine Rendite von 7,6 Prozent erwirtschaftet werden.

Doch nun zu den Publikumsaktien der Mercedes-Holding. Schon vor Beginn der offiziellen Zeichnungaktion hatte auf sie ein Run eingesetzt. Im ersten Überschwang der Begeisterung wurden Kurse von 315 Mark und mehr genannt. Praktisch war die Emission bereits am ersten Zeichnungstag mehrfach ausverkauft. Wir kennen das, meine verehrten Leser, von anderen Börsenneueinführungen. So war es bei den Volkswagen-, Veba-, Horten- und Badenwerk-Aktien. Jedesmal folgte schon nach relativ kurzer Zeit der Katzenjammer. Deshalb ist es gut, wenn man die Anlage in Mercedes-Holding-Aktien von vornherein unter längerfristigen Aspekten und nicht unter spekulativen Gesichtspunkten betrachtet.

Sehen wir uns dazu die Konstruktion der Holding genauer an. Sie gibt genau so viele Aktien aus, wie sie selbst bei der Daimler-Benz AG als Aktionär hält. Der Nennbetrag einer Holding-Aktie entspricht damit dem Nennbetrag einer Daimler-Aktie. Der Holding-Aktionär ist damit dem Daimler-Benz-Aktionär weitgehend gleichgestellt. Ausnahme: Die einzelne Holding-Aktie hat auf der Daimler-Hauptversammlung kein Stimmrecht. Durch die Einschaltung der Mercedes-Holding – so steht es im Verkaufsprospekt – soll Aktienkäufen vorgebeugt werden, welche die unternehmerische Selbständigkeit von Daimler beeinträchtigen könnten. Damit wird verhindert, daß das jetzt in der Holding liegende Paket an Daimler-Aktien in den Besitz „unerwünschter Personen oder Staaten“ gerät.