Von Wolfgang Hoffmann

Heinz Hambrusch, gelernter Büchsenmacher und praktizierender Waffenhändler, schoß scharf. Friedensforschern, die in der evangelischen Akademie Arnoldshain über Pro und Kontra deutscher Rüstungsexporte debattierten, warf er vor, ungewollt die Geschäfte Moskaus zu betreiben: Aufweichung des westlichen Verteidigungswillens.

So einfach ist die Welt für den 35jährigen Waffenspezialisten der Exportagentur Merex GmbH, der vor wenigen Wochen zusammen mit seinem Chef und weiteren Mitarbeitern wegen unerlaubten Waffenhandels vor Gericht stand. Sie wurden freigesprochen, weil die eigentlich unerlaubten Merex-Geschäfte insgeheim doch erlaubt worden waren – von hohen Stellen der Regierung. Hätte die Regierung auch im vergangenen Sommer mitgespielt, hätten Hambrusch und sein Chef Gerhard Mertins allerdings auch nichts dabei gefunden, dem pro-sowjetischen Terroristenfreund Ghaddafi, Staatschef von Libyen, für zehn Milliarden Mark zu einer schlagkräftigen Marine zu verhelfen.

Doch Ghaddafi wurde von der Bundesregierung ebenso abgewiesen wie der saudiarabische Königssohn Prinz Ibn Faisal, der letzte Woche in Bonn weilte und beiläufig nach einigen hundert Schützenpanzern des Typs "Marder" Ausschau hielt.

Die Regierung blieb damit bei ihrem Beschluß vom 16. Juni 1971: "Der Export von Kriegswaffen in die Länder außerhalb des atlantischen Verteidigungsbündnisses soll grundsätzlich unterbleiben." Da Ausnahmegenehmigungen selten gewährt und Ausfuhren in Spannungsgebiete grundsätzlich versagt werden, blitzten die meisten Interessenten für schimmernde Wehr made in Germany bisher ab. Die Folge: Das große Geschäft mit Waffen machen andere Länder. 1974 exportierte die Bundesrepublik Kriegswaffen im Wert von 466 Millionen Mark. Das waren 0,2 Prozent des gesamten deutschen Exports in Höhe von 230 Milliarden Mark. Der Anteil der Waffenproduktion am gesamten Industrieumsatz von 754 Milliarden Mark ist in der Bundesrepublik nach Angabe des Wirtschaftsministeriums mit 0,44 Prozent – oder 3,3 Milliarden Mark – ebenfalls recht bescheiden. Im Bundesverteidigungsministerium dagegen wird der Anteil mit 0,7 Prozent beziehungsweise 5,4 Milliarden Mark angegeben.

Es könnten weitaus mehr sein, wenn die Bundesregierung bereit wäre, in dieses zwielichtige Geschäft einzusteigen. Waffen aus deutschen Landen haben zahlreiche Liebhaber gefunden. Begehrt sind insbesondere der Kampfpanzer "Leopard" und sein Nachfolger "Leo II". Auch für den Schützenpanzer "Marder", den Saudi-Arabien gern hätte, gibt es Interessenten in aller Welt. Sein Produzent Rheinstahl stellte daher trotz der ablehnenden Haltung der Regierung einen Antrag auf Exportgenehmigung. Mit großer Nachfrage ist auch bei dem von Franzosen und Deutschen gemeinsam entwickelten leichten Erdkampfflugzeug "Alpha Jet" zu rechnen. Gefragte deutsch-französische Waffen sind heute schon die Raketensysteme "Hot",, "Milan" und "Roland".

Doch das deutsche Paradestück ist nach wie vor der "Leopard". Der Schah von Persien wollte schon 1969 tausend Stück der stählernen Wildkatze kaufen, wurde aber abgewiesen. Die siebzehn Prototypen vom "Leopard II" haben das Interesse des Königs der Könige erneut geweckt, obwohl er für 800 Panzer, dieses Typs rund zwei Milliarden Mark an Flicks Panzerschmiede Krauss Maffei zahlen müßte. 800 Panzer bedeuten zugleich acht Jahre sichere Arbeit für die zweitausend Beschäftigten.