Eine amerikanische Weltgeschichte der Vergewaltigung

Von Rudolf Walter Leonhardt

Vor einem Gericht in New York sagte die Frau aus: "Nachdem er mir das Portemonnaie weggenommen hatte, vergewaltigte er mich in meinem Fahrstuhl. Er hatte ein Messer. Er befahl mir, mich hinzulegen, und ich legte mich hin. In zwei Sekunden war alles vorbei, ganz einfach. Mit Sex hatte das nichts zu tun. Was erwarten Sie denn von mir? Soll ich nun wüten und alle Männer hassen? Ich will nicht mehr daran erinnert werden. So ist das Leben in New York City nun einmal, und ich werde mich davon nicht kaputtmachen lassen."

Im Jahre 1971 gab es in New York 2415 "begründete" Anzeigen wegen Vergewaltigung. Die Polizei konnte 1085 Täter festnehmen. Nur 100 von ihnen wurden vor ein Schwurgericht gestellt, und von diesen wurden 34 als schuldig befunden, 18 verurteilt – Durchschnittsstrafe: knapp vier Jahre.

Dabei sind nicht etwa New York und Washington die Städte, in denen eine Frau am meisten fürchten muß. Sondern dieser traurige erste Platz unter den amerikanischen Städten gebührt Los Angeles. Und auf den nächsten Plätzen folgen: Denver, Little Rock, Memphis, San Francisco, Oakland, Las Vegas, Tallahassee und Albuquerque.

2415 in einer Stadt in einem Jahr – das sind jeden Tag fast sieben. Sieben, die Anzeige erstattet haben und deren Anzeigen von skeptischen, meistens männlichen Polizeibeamten akzeptiert wurden. Acht wären es schon, wenn man die als "unbegründet" abgelehnten Anzeigen hinzunähme.

Wieviel Frauen werden wirklich vergewaltigt? Wie hoch müssen wir die "Dunkelziffer" ansetzen? Für Amerika ist mit 255 000 Vergewaltigungen im Jahr zu rechnen; Tendenz: steigend.