Bedeutet die Absage Präsident Fords an den Begriff „Entspannung“ das Ende einer Phase der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen? Markiert der Abschied von dem einst gängigen Wort den Anfang eines zweiten Kalten Krieges, wie ihn Skeptiker schon vor geraumer Zeit vorhersagten? Die Aufregung über die philologische Betrachtung, die der US-Präsident in einem Interview mit der regionalen Fernsehstation WCKT in Florida anstellte, könnte Schlimmes vermuten, lassen. Doch gar so finster will Ford seine Äußerungen wohl nicht verstanden wissen.

Dafür spricht zum einen, daß Ford auch künftig an Washingtons Konzept der Verhandlungen mit Moskau festhalten will. Das heißt, der Inhalt bleibt, nur das alte, allzuviel versprechende Etikett „Entspannung“ verschwindet. Weil die romantische Epoche der Beziehungen zwischen Amerika und der Sowjetunion inzwischen vorüber ist, war dieser Etikettenwechsel ohnehin längst überfällig.

Zum anderen, und das gab wohl den Ausschlag für die Klarstellung des Präsidenten, wird am 9. März in Florida gewählt. Und weil bei der Vorwahl in dem südlichen Pensionärsstaat die Alt-Republikaner den Ausschlag geben, kann sich der vom rechten Rivalen Reagan bedrängte Kandidat Ford von seiner Absage an die „Entspannungs“-Formel auch zusätzliche Wählerstimmen versprechen. Das ist gewiß kein unlauteres Motiv, wenn es auch zu Mißverständnissen hüben und drüben führen kann. Wahrscheinlich ist es am besten, den Satz des Präsidenten in Umkehrung der Matthäus-Maxime zu verstehen: Haltet Euch an meine Werke und nicht an meine Worte.

D. B.